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stARTcamp Dresden – Dankeschön und auf Wiedersehen!!

Besser spät als gar nicht kommt hier meine Nachlese zum ersten stARTcamp Dresden am letzten Wochende: Schön wars und vor allem informativ!

Zunächst geht ein großer Dank an Steffen Peschel für die Initiative und Organisation sowie an Frank Tentler und Christian Hennerfehr für ihr persönliches Engagement, das diese Veranstaltung erst möglich gemacht hat. Als Organisationspartner freue ich mich natürlich um so mehr, dass alles gut über die Bühne ging und hoffe, dass alle Anwesenden neben vielen Informationen, neuen Kontakten und Impulsen einen guten Eindruck mitgenommen haben.´

Wie es sich für eine Veranstaltungspremiere gehöhrt, lief natürlich nicht alles optimal, so dass es – neben all den positiven Rückmeldungen – einen weiteren Ansporn gibt, im nächsten Jahr wieder ein stARTcamp stattfinden zu lassen. Schließlich lernt man am Besten aus Fehlern und Feedback … und aus dem Machen. Und das ist beim Umgang mit Social Media auch nicht anders.

Was ich mitgenommen habe: Es war eine gute Entscheidung, kein reines Barcamp zu veranstalten. Einige Teilnehmer nahmen zum ersten Mal an einem etwas offeneren Konferenz-Format teil. Ein bisschen mehr Informationen über das Barcamp-Format und etwas mehr Programm-Freiraum zur Eröffnung hätte es aber doch sein können. Die Spontan-Session der Städtischen Bibliotheken Dresden war dann – für mich – auch eine der spannensten, weil an einem realen Beispiel konkreter Informationsbedarf bestand und dadurch die Frage „Wie baue ich eine Social Media Präsenz auf?“ beleuchtet wurde.

Bemerkenswert auch, dass die Session von Bernhard Kelz zu den rechtlichen Aspekten bei der Nutzung von Social Media ein reges Interesse mit vielen konkreten Fragen hervorbrachte. Leider lief meine Session parallel, so dass ich selbst nicht dabei sein konnte. Aber vielleicht kann man dazu ein erstes stARTtogether in Dresden machen? Ich würde mich freuen und weitere Interessenten können sich dazu gerne bei mir melden.

Was mir bei meiner Session wieder aufgefallen ist: Entrepreneurship im sozialen und kulturellen Bereich erfordert einen Perspektivwechsel der für viele Vereine und Organisationen nicht einfach nachzuvollziehen ist. Die eine Sicht ist, wen man mit seiner sozialen oder kulturellen Arbeit erreichen will, die andere Sicht ist, wer davon profitiert oder zumindest daran partizipiert. Grundsätzlich sollte sich aber immer die Frage gestellt werden, mit wem man wie kooperieren kann, um gemeinsam mehr zu erreichen!

Und so schließt sich auch der Kreis zum stARTcamp: Das Social Web funktioniert nicht mit Konkurrenzdenken. Der Mehrwert entsteht aus der Vernetzung. In diesem Sinne, bis nächstes Jahr zum stARTcamp’12 in Dresden.

Friendraising statt Fundraising – Eindrücke vom Fundraising2.0Camp in Berlin

Am 21.01.2011 fand in Berlin zum zweiten Mal das Fundraising2.0Camp statt. Weitere Infos dazu gibt es auf der Mixxt-Community-Seite, der Facebook-Seite und unter dem Twitter-Hashtag #frc20. Da jede Session dokumentiert wurde, wird es sicher auch eine Aufbereitung geben. Ich möchte mich daher auf meine Eindrücke und Gedanken konzentrieren.

„Friendraising statt Fundraising“ war für mich die zentrale Aussage. Neben den „üblichen Verdächtigen“ – Sessions zu Social Media, Online-Fundraising, Facebook-Nutzung etc. – kam auch immer wieder das Thema durch, was gutes Fundraising abseits der Tools und Kits denn ausmacht und welche Auswirkungen die Veränderungen in der Mediennutzung und im Kommunikationsverhalten auf die Fundraising-Arbeit haben.

„In erster Linie geht es darum Beziehungen aufzubauen.“ war immer wieder zu hören. Darum ging es mit Sicherheit auch schon in der Vor-Web2.0-Zeit aber durch die neuen Kommunikationsmöglichkeiten eröffnen sich neue Wege. Wie diese beschritten werden können, ist für viele noch nicht klar gewesen. Auch das „erst die Menschen, dann die Spenden“ kommen, folgt diesem Tenor und tatsächlich merkte man vielen an, dass ihnen der Inhalt ihrer Tätigkeit – der Zweck, für den sie Fundraising betreiben – wirklich am Herzen liegt und sie diesen mit Leidenschaft vermitteln.

Um so überraschter war ich, dass in der letzten Session das Thema Werte und Inhalte kritisch und mit Verve auf den Tisch geknallt wurde.
(Die Session wurde von Jörn Georg aus Hamburg gehalten, würde gern auf ihn verlinken, …) 

In drei provokanten Thesen wurde die versammelte Fundraiserschaft mit ihrem Tun konfrontiert:

„Systemisch Wirken statt systematisch Arbeiten“ – nicht Strukturen etablieren sondern temporäre Initiativen fördern
„Echte Werte statt falsches Geld“ – nicht Gelder und Kontakte sammeln sondern (Wissen, Informationen, Aufgaben etc.) teilen, mitteilen und verteilen.
„Einlasswandel statt Ablasshandel“ – echte Beziehungen aufbauen, mehr „fordern“ als nur Geld, Aktivitäten und Engagement fördern

Mit diesen Thesen konfrontiert, setzte bei einigen der Rechtfertigungsreflex ein und fast alle waren „gekitzelt“ Stellung zu beziehen. Rege und teils vehemente Wortmeldungen folgten … für mich die mit Abstand beste Session des Tages.

Die Kritik wurde durchaus positiv und konstruktiv aufgenommen. Das kalkulierte „Abschöpfen“ gerade älterer Menschen zur Weihnachtszeit kam genauso zur Sprache wie der Unwille mancher Organisation, Freiwillige in ihre Arbeit zu integrieren oder die Notwendigkeit zu Hinterfragen, aus welcher Quelle so manche Spende kommt. Andererseits ist es beispielsweise schwierig, das freiwillige Engagement hier, Projekten in Entwicklungsländern zu Gute kommen zu lassen. Geld lässt sich wesentlich leichter transferieren. Auch muss der Aufwand für die Koordination der Freiwilligen bewältigt werden. Fachwissen wird wesentlich häufiger benötigt, als die „helfende Hand“.

Zwei Dinge habe ich für mich aus dieser Session mitgenommen: Man sollte ruhig mal provozieren und polarisieren, damit bekommt man richtig gute und engagiert geführte Diskussionen losgetreten aus denen sich auch die Beteiligten wirklich etwas ziehen können. Und Fundraiser kämpfen ein bisschen mit ihrem Bild und Selbstverständnis, was der Satz „Man muss sich als Fundraiser nicht dafür schämen, Geld einzusammeln.“ sehr schön impliziert. Dazu passend auch die (eigentlich rhetorische) Frage, die in dieser Session aufgeworfen wurde: „Wenn du als Fundraiser feststellst, dass eine andere Organisation deinen Kampagnenzweck besser umsetzt, würdest du ihr das Geld geben?“

Das bringt mich auch zu dem, was mir insgesamt bei diesem Fundraising2.0Camp gefehlt hat: Die nachhaltige finanzielle Tragfähigkeit von Projekten. Es wurde zwar über den Aufbau und die Notwendigkeit nachhaltiger Beziehungen zu den Spendern/Unterstützern gesprochen. Wie sich aber Projekte so gestalten lassen, dass das Fundingvolumen verringert wird oder wie diese über längere Sicht finanziell unabhängig werden können, war kein Thema. Dabei würden Social Entrepreneurship Modelle einige Probleme lösen, mit denen Fundraiser konfrontiert sind, wie Argumente für potentielle Spender oder Erfolgsmessung und -kontrolle. Vor allem aber setzen sie Mittel frei, die in andere Projekte fließen können. Vielleicht war und ist das FundraisingCamp – wie mir mitgeteilt wurde – nicht der richtige Rahmen, ich werde es als Session-Idee für das nächste Jahr aber im Hinterkopf behalten.

Tatsächlich: Social Media lohnt sich

In einer Studie mit über 3.000 Unternehmen fand McKinsey heraus, dass sich der Einsatz von Social Media in Unternehmen tatsächlich lohnt. Für den Großteil der befragten Unternehmen zwar nur in geringem Maß, für einige Unternehmen jedoch signifikant. Auffallend, dass die Unternehmen, die Social Media intensiv einsetzen, in verschiedene Unternehmensbereiche integrieren und mehrere Medien nutzen, die größten Vorteile daraus ziehen. Wesentliche Vorteile der Social Media Nutzung sind

  • schnellerer Zugang zu Informationen
  • sinkende Kommunikationskosten
  • effektiveres Marketing
  • zufriedenere Kunden und Lieferanten

Diese Vorteile entfalten sich vor allem bei den Unternehmen, die sich sowohl intern als auch extern vernetzen. Interne Firmen-Wikis & Kompetenzprofile verbessern und beschleunigen die Kommunikation über Abteilungs- und Hierarchiegrenzen hinweg und  steigern die operativen Margen. Die gemeinsame Nutzung dieser Instrumente mit Partnern & Lieferanten verbessert und effektiviert die Prozesse der Zusammenarbeit. Der Grad der externen Vernetzung und die Vertiefung der Beziehungen zum Kunden beeinflusst die harten Kennzahlen wie Marktanteil und Betriebsgewinn positiv. Eine ausführlichere Beschreibung der Studie inkl. einiger Charts gibt es auf den F.A.Z.Blogs beim Netzökonom http://faz-community.faz.net/blogs/netzkonom/archive/2011/01/18/social-media-lohnt-sich-fuer-unternehmen.aspx

Was für „PO“ (Profit Organisations) gut ist, kann für „NPO“ (Non-Profit-Organisations) nicht schlecht sein. Zumindest nicht, wenn es sich um Kommunikation, Information und den Aufbau von Beziehungen zu Unterstützern und Adressaten handelt. Welche Kraft die „sozialen Medien“ entfalten können, wenn es um soziales Engagement geht, zeigt sich gerade bei @manomama mit ihrem Aufruf für Elke & ihre Familie: http://www.manomama.de/blog/2011/01/18/hilfe-fur-elke-familie-mamapowers/ Innerhalb von drei Stunden kamen über 1.000 € zusammen … and counting. Ohne ihr hohes Maß an Vernetzung und die intensive Beziehung zu ihren Kunden, wäre dieses Ergebnis sicher nicht denkbar.

Die Vorteile der Social Media Nutzung gelten sowohl für Unternehmen als auch für Vereine und Organisationen. Und auch die Herausforderungen bei der Einführung und dem Einsatz ähneln sich: Abbau von Hierarchien, Flexibilisierung von Prozessen, Integration ins Tagesgeschäft … Es braucht Lernbereitschaft und den Willen zu Veränderungen.