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5 Fundraisingtrends für gemeinnützige Organisationen in 2011

Immer zum Jahreswechsel schießen die Prognosen und Trends für das kommende Jahr aus dem Boden. Angeregt durch einen Link bei fundraising2.0 habe ich mir die Punkte rausgesucht, die imho im Fundraising und der Arbeit gemeinnütziger Organisationen die Trends des vor uns liegenden Jahres sein werden. Gut gelegen kam mir dabei auch der „Was geschah 2010 im sozialen Sektor?“ auf dem Blog des betterplace-lab. Die Trends sind subjektiv und sicher nicht vollständig. Weitere Trends oder Meinungen dazu können gern als Kommentar hinterlassen werden.

  1. Online-Fundraising wird immer bedeutender
    Bisher hat nur ein kleiner Teil der gemeinnützigen Organisationen Online-Fundraising erfolgreich eingesetzt oder es zumindest ernsthaft versucht. Während face-to-face Fundraising immer unpopulärer wird, führt mit der steigenden Anzahl an Spenden- und Kampagnen-Plattformen sowie der wachsenden Aufmerksamkeit auf diesem Bereich, fast kein Weg mehr daran vorbei. Neben den deutlich geringeren Kosten gegenüber Direktmailings, fallen Online-Spenden signifikant höher aus („Spendenmarkt Deutschland“). Hinzu kommen Skaleneffekte und die direkte Verbindung mit den Unterstützern über die sozialen Medien.
  2. Soziale Medien werden ernstgenommen
    Die direkte Kommunikation mit den Unterstützern ist die Schlüsselkompetenz und wird immer mehr als solche erkannt. Organisationen, die Verantwortlichkeiten für das Community-Management schaffen und ihre Social Media Präsenz(en) in ihre Kernaktivitäten integrieren, werden dem gerecht. Unterstützer wollen informiert und beteiligt werden und aus der „Crowd“ können neue Impulse oder Lösungen hervorgehen. Ziel der Kommunikation sollte dabei immer sein, Vertrauen und Bindung aufzubauen.
  3.  Insbesondere kleine Organisationen setzen auf Vertrauen
    Während große Organisationen auf Ihre Bekanntheit und Reichweite setzen können, kommt es für kleine Organisationen immer mehr darauf an, Vertrauen und langfristige Beziehungen mit Ihren Unterstützern aufzubauen. Sowohl on- als auch offline investieren Organisationen in vertrauensbildende Maßnahmen und schaffen Identifikationsangebote. So werden aus Spendern echte Unterstützer und Botschafter.
  4. Unterstützer werden zu Botschaftern, Fundraisern und Organisatoren
    Das Potential von Unterstützern, die hinter einer Organisation stehen, ist enorm. Immer mehr Organisationen erkennen und nutzen es. Enthusiasmus ist ansteckend und die Verbreitung über persönliche Empfehlungen hat eine hohe Relevanz. Unterstützer, die selbst aktiv werden, lokale Events und Aktionen organisieren oder sich daran beteiligen, sind unbezahlbar. Was sie benötigen sind Informationen, Unterstützung und Vertrauen – und Kampagnen, die sie zum Aktivwerden einladen und motivieren. 
  5.  Unternehmerische Ansätze gewinnen an Bedeutung
    Neben den Dauertrends Monitoring und Erfolgsmessung von Kampagnen und Organisationsarbeit spielen Social Businesses und Social Entrepreneurship eine immer größere Rolle. Wesentliche Elemente sind Abkehr von klassischen Non-Profit Strukturen hin zu finanzieller Tragfähigkeit und Unabhängigkeit. Im Mittelpunkt stehen die gesellschaftlichen Herausforderungen, Gewinnerzielungsabsichten spielen keine Rolle. Mit enorm gibt es seit 2010 das erste Magazin, dass sich diesem Thema annimmt und mit startnext.de ist die erste Crowdfundingplattform in Deutschland gestartet. Einzelne Projekte innerhalb der Organisationsarbeit können darüber finanziert werden oder Anschubfinanzierung erhalten.  

Zusammenfassend kann gesagt werden: erfolgreiches Fundraising 2011 ist persönlich, digital und integrativ. Für mehr Informationen zu Online-Fundraising, Social Media, Social Business und Social Entrepreneurship, nehmen Sie bitte Kontakt auf.

 

Wir müssen weg vom Förderdenken

Bei den Veranstaltungen und Gesprächen in letzter Zeit ist mir aufgefallen: sobald das Thema Finanzierung gemeinnütziger Aktivitäten aufkommt, ist „Förderung“ der erste und oft auch einzige Gedanke. Meist so gemeint, dass doch bitte die öffentliche Hand zur Hand gehen soll und das möglichst dauerhaft. Aber Föderungen werden genehmigt und Förderungen werden gestrichen. Und wir müssen uns wohl damit abfinden, dass die öffentliche Hand immer weniger Geld für Förderungen zur Verfügung stellt, weil sie es schlicht nicht hat oder in andere Bereiche leitet.
Im Nachbericht zum ersten Workshop zur Kreativwirtschaft in Dresden im „konzeptspeicher“ von Sebastian werden im Fazit Vorschläge gemacht, die das Problem zeigen*

  • nicht Förderung einzelner Akteure sondern Gruppenförderungen
  • Aufbau eines durch die Stadt getragenen Netzwerkbüros
  • Förderung einer Halbtagsstelle zum Ausbau eines virtuellen Netzwerkes

Zum einen fließt das Geld in eine Richtung aber nicht wieder zurück, zum anderen wird mit dem Geld etwas aufgebaut, dass wieder wegbricht, sobald kein neues Geld nachfließt. Was allen Vorschlägen fehlt, ist der Gedanke der dauerhaften finanziellen Tragfähigkeit. Wenn das Geld aus der Förderung wieder zurückließen kann, um neuen Projekten und Initiativen zur Verfügung zu stehen, ist allen geholfen und eins gewonnen: Unabhängigkeit. Die öffentliche Hand schiebt nur noch an und braucht nicht dauerhaft da zu sein und neue Ideen ersticken nicht in Bürokratie.
Wir müssen einfach ein bisschen weiter denken als bis zum Naheliegensten und uns die Fragen stellen:

  • Wozu brauchen wir die Förderung?
  • Welchen (zusätzlichen) Nutzen können wir mit dem was wir vorhaben erzeugen?
  • Wer kann davon (noch) profitieren?
  • Wer ist bereit, dafür zu zahlen – und wofür genau?

Am Beispiel des Netzwerkbüros wird die Förderung dafür gebraucht, mindestens eine Person zu beschäftigen, Miete und Materialien zu finanzieren und aktiv werden zu können. Der Nutzen ist offensichtlich eine Verbesserung in Austausch und Zusammenarbeit der Dresdener Kreativen und ein besserer Zugang zu den bestehenden Angeboten für Aussenstehende. Wer spürbar davon profitiert, ist auch bereit dafür zu zahlen. Wofür genau? Für die Vermittlungsleistung, für die Generierung von Aufträgen, für die Verminderung der Transaktionskosten, für ein zusätzliches (relevantes) Informations- und Präsentationsangebot… mit ein bisschen Nachdenken lassen sich sicher noch weitere Ideen finden.
Ideen alleine reichen aber noch nicht aus – es müssen Geschäftsmodelle daraus werden. „Business-Denken“ verursacht zwar bei vielen sozial oder kulturell Engagierten spontane Abwehrreaktionen, „Social Entrepreneurship“ oder „Cultural Entrepreneurship“ zielen aber nicht auf Gewinnerwirtschaftung sondern auf die finanzielle Tragfähigkeit. Und die ist dringend geboten.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, aus Ideen Geschäftsmodelle zu entwickeln. Beispielsweise ermöglicht die Business Model Canvas, schnell Ideen zu strukturieren und Ansätze zu entwickeln. Auch wenn sie mehr aufs klassische Business ausgerichtet ist, können damit soziale oder kulturelle Unternehmungen durchdacht werden.
Wir müssen weg vom Förderdenken, sobald es sich um gemeinnützige Aktivitäten handelt. Wir müssen hin zu nachhaltig tragfähigen Modellen, die dauerhaften Nutzen stiften. Wenn Sie mehr erfahren wollen, nehmen Sie bitte Kontakt auf.

 

* der Workshop handelte sich explizit um die Verbesserung der Förderungen in Dresden für die Kreativwirtschaft und die Vorschläge sind gut und richtig – aber nicht zu Ende gedacht. Sie stehen beispielhaft für Ideen und Vorschläge, die immer wieder auftauchen.

Social Business / gemeinwohlorientierte Geschäftsmodelle

Was früher als nicht realisierbar galt, ist heute etabliert und anerkannt: Gutes tun und dabei Geld verdienen. Dass das geht, hat bereits vor mehr 30 Jahren Muhammad Yunus gezeigt, in dem er Kredite an die Ärmsten vergab. Daraus entstanden ist die Grameen Bank – bis heute Leuchttum der Sozialunternehmen – die nach und nach weitere „Geschäftsbereiche“ (Kommunikation, Fischerei, Solar, IT etc.) eröffnete und dabei auch mit namhaften Konzernen kooperiert (Grameen Danone Foods, BASF Grameen Ltd, Adidas , IBM, OTTO etc.). Die Grameen-Aktivitäten zeigen, dass es sich nicht um Nischen oder Soderfälle handeln muss, sondern nahezu jede Unternehmung (Rüstung, Glücksspiel und Berufskriminalität mal ausgenommen) gemeinwohlorientiert ausgerichtet werden kann.

Social Business ist sozusagen CSR zu Ende gedacht. Die gesellschaftliche Verantwortung wird nicht nur vom Unternehmen wahr genommen, sondern sie wird – mit einem tragfähigen Geschäftsmodell verbunden – zum Hauptinhalt des Unternehmens.

Die Möglichkeiten, aus einem bestehenden Geschäftsmodell ein Social Business zu starten, liegen vor allem in den mittelbaren und unmittelbaren Beziehungen eines Unternehmens zu seiner Umwelt. Die Betätigungsfelder sind dabei so vielfältig wie die  gesellschaftlichen Mißstände, die es zu beseitigen gilt, angefangen von moderinisierungsbedürftigen Kindergärten und Schulen, über Beschäftigungs- und Integrationsangebote bis hin zu Armuts-, Gesundheits- oder Umweltprojekten. Je nach Aktionsradius des Unternehmens können Probleme im globalen, nationalen, regionalen oder lokalen Maßstab angegangen werden.

Beispielsweise können ein Gemüsehandel, eine Fleischerei und eine Bäckerei zusammen mit einer Ernährungsberatung eine Social Business für gesundes Essen an Schulen und Kindergärten starten, das an sozial benachteiligte Kinder vergünstigt ausgegeben wird. In Zusammenarbeit mit einem Sozialprojekt werden Langzeitarbeitslose oder Menschen mit Handicap beschäftigt und versorgt. Durch Kooperation mit einem Authohändler kann ein Lieferservice realisiert werden. Finanziert wird dies über den regulären Verkauf der Gerichte (z.B. Mittagstisch für Firmen) und über einen freiwilligen Aufschlag auf Produkte, die die Kooperationspartner verkaufen.

Gerade die Möglichkeiten zur Kooperation mit Akteuren aus anderen Branchen sind besonders spannend. Die Verständigung auf ein gemeinsames übergeordnetes Ziel wirkt wie ein Katalysator für Innovationen. Unterschiedliche Hintergründe, Erfahrungen und Herangehensweisen treffen aufeinander und werden – mit Blick auf die gemeinsame Sache – konstruktiv zusammen geführt. So entstehen innovative Lösungen und neue Ideen, die jeder der Beteiligten wieder vorteilhalhaft im eigenen Umfeld einsetzen kann. Neben diesem Prozess-Nutzen und dem guten Gefühl sind die Image-Aspekte ein großer Mehrwert. Den Ruf zu haben, ein „guter Unternehmer“ bzw. ein „gutes Unternehmen“ zu sein, ist mehr und mehr ein Wettbewerbsvorteil und wirkt sich positiv auf viele Bereiche des unternehmersichen Lebens aus.

Die wichtigste Voraussetzung, um mit einem Social Business gesellschaftliche Missstände nachhaltig zu beseitigen ist, wie bei jedem „Business“, mit Herzblut bei der Sache zu sein. Den richtigen und passenden Ansatz zu finden ist schon eine große Herausforderung und bis dieser tragfähig funktioniert, gilt es viele Hürden zu überwinden. Sollte Ihnen das Herz bluten, weil sie fühlen, dass sich hier oder da konkret etwas ändern muss und ändern lässt, vereinbaren sie ein kostenloses und unverbindliches nettberaten Erstgespräch.