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Entrepreneurship zur Finanzierung kultureller und sozialer Arbeit – Socialbar Dresden

Gestern abend fand die 8. Socialbar Dresden statt. Neben Optimierung von Websitetexten und Transition Town Dresden war ich mit dem Thema „Weg vom Förderdenken“ vertreten. Die Präsentation dazu ist auch auf slideshare.net/nettberaten verfügbar.

Weg vom Förderdenken

Die Socialbar wurde dieses Mal auf Video aufgezeichnet. Sobald es online verfübar ist, gebe ich hier auf dem Blog bescheid.

Der entkoppelte Bürger oder die Diktatur der Uninteressierten.

Gestern (26.01.) wurde durch eine Schwarz-Gelbe Mehrheitsentscheidung der „18. Sachverständige“ aus der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ ausgeschlossen. Nun wird sich so mancher fragen: „Wer wurde da von was ausgeschlossen?“ Und der ein oder andere wird zum ersten Mal mitbekommen, dass es einen Sachverständigenrat des Bundestages gibt, der sich damit befasst, welche Auswirkungen die Entwicklungen im WWW auf die Gesellschaft haben. Noch kurz erläutert sei, dass der „18. Sachverständige“ die Bürger sind, die sich erstmals über eine Online-Plattform (adhocracy) in die Diskussionen und Empfehlungen der Kommission einbringen (hätten) können (sollen).

Nun ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass es doch nicht dazu kommen wird. Der geneigte Beobachter des Polittheaters konnte sich schon denken, dass die Ausführung dieses Vorhabens weit hinter den Möglichkeiten zurückbleiben wird. Dass es aber gänzlich gekippt wurde, hat sicher den ein oder anderen überrascht. Vor allem die angeführten Gründe dafür zeugen von der Kreativlosigkeit „unserer“ Politiker und der geringen Bedeutung, die sie der digitalen Zukunft unserer Gesellschaft und dem damit verbundenen öffentlichen Interesse beimessen. Neben der Frage nach der Beteiligung waren es vor allem die Bedenken, ob Facebook-Nutzer und Twitterer überhaupt in der Lage sind, lange Texte zu erfassen und sich mit komplexen Sachverhalten auseinander zu setzen. Zudem schienen die 80.000 €, die Einsatz und Betrieb der Plattform kosten würde, nicht gerechtfertigt.  [Quelle: http://manuelhoeferlin.wordpress.com/2011/01/26/der-18-sachverstandige-lebt/]

Dass die Verachtung für die Bevölkerung und die Ignoranz gegenüber der Realität, die einem aus dieser Begründung entgegen schlägt noch die geschönte Variante ist, mag man erstmal nicht glauben. Doch auf netzpolitik.org wird die Financial Times Deutschland folgendermaßen zitiert: „Hinter vorgehaltener Hand gesteht man bei der Union aber auch ein, dass das neue Verfahren einen unwillkommenen Präzedenzfall geschaffen hätte. „Das könnte langfristig als Argument genutzt werden, die repräsentative Demokratie auszuhebeln“, hieß es in der Fraktion. Außerdem würde es die Würde des Parlaments beschädigen, wenn sich „irgendwelche Netzchaoten“ auf den Seiten des Bundestages ausgetobt hätten. Außerdem nütze Stimmungsmache im Internet meist nicht den konservativen Parteien.“

Unnötig, darüber auch noch ein weiteres Wort zu verlieren. Unnötig auch deshalb, weil es (so ziemlich) kein Schw… interessiert. Warum auch? Politik ist fernab jeder Nachvollziehbarkeit und Verständlichkeit – und besser man macht sich keine großen Gedanken darüber. Das wurde über all die Jahre großartig konditioniert. Selbst als mit Auftauchen und Wachsen des Internets die Tür zu direkter Demokratie aufgestoßen wurde, änderte sich nicht viel daran. Das Social Web? Social in der Freizeit, social beim Shoppen und die Wirtschaft erkannte sehr schnell, welch enormes Potential darin steckt. Ein riesiges Informationskarussell, das auf seine ganz eigene Art Veränderungs- und Wandlungsprozesse hervorbringt, alte (Wirtschafts-)Strukturen aufbricht und neue ausbildet.

Die Politik blieb davon bisher (weitestgehend) unberührt. Einmal in 4 Jahren wählen, die PR-Maschine anwerfen, sagen, was man sagen muss und ansonsten sich schön bedeckt halten. Harte Zeiten, Leistung muss sich lohnen, der Sparkurs ist alternativlos und Wachstum hilft. Sie glauben es doch selbst nicht … aber wir! Verfolgen wir, was sich da tut? Fragen wir nach? Fordern wir Antworten? Interessiert es uns überhaupt?

Was da auf der Berliner Politbühne aufgeführt wird ist keine leichte Unterhaltung und keine große Kunst. Die Darsteller sind furchtbar untalentiert und oft auch nicht schön anzusehen. Was sie da aber spielen, ist ein Stück, in dem wir alle mitspielen. Was da „abgemacht“ wird, beeinflusst unser Leben unmittelbar. Und wir stehen da, schauen desinteressiert ab und an mal hin, als ginge es uns nichts an und lassen sie machen.

Mit der Entscheidung, den ersten Versuch einer direkten Bürgerbeteiligung ergebnis- und ersatzlos abzublasen, wurde der Zugang der Bürger (wir!) zu politischen Entscheidungen geschlossen, bevor die Bürger (wir!) diesen tatsächlich nutzen. Wenn wir das jetzt so hinnehmen und nicht darauf drängen diesen Zugang zu erhalten, werden wir uns noch eine ganze Weile dieses glanzlose Trauerspiel betrachten müssen. Das kann keiner wirklich wollen.

— Update 31.01. —

Auf dem Blog von echo.to wird in einem offenen Brief wesentlich sachlicher auf die Kriterien und Notwendigkeiten erfolgreicher Bürgerbeteiligung eingegangen. U.a. heißt es da:

„Die „glokalen“ ökologischen, ökonomischen und sozialen Herausforderungen unserer Zivilisation brauchen die kollektive Intelligenz aller Menschen – mit ihren verschiedenen Erfahrungen, Kompetenzen und Lebensumständen. Keine Person oder politische Elite kann diese Situation im Interesse der Allgemeinheit alleine bewältigen …“

http://blog.echo.to/wp-trackback.php?p=718

Crowdfundig zur Finanzierung sozialer und kultureller Tätigkeit

Auf arte.tv ist ein Beitrag über die amerikanischen Künstlerin Katie Armstrong veröffentlicht. Um die Teilnahme an einem internationalen Kunstprogramm in Leipzig zu finanzieren, fragte sie auf kickstarter.com, ob Jemand bereit ist, ihr zumindest einen kleinen Teil der Reise zu finanzieren und bietet ihre Kunst im Gegenzug dafür an. Sie erhielt vier mal mehr Geld, als sie angefragt hatte.

„Crowdfunding, das Begeistern einer anonymen Masse im Internet für die eigene Idee“  [Zitat aus dem Beitrag (erster Satz)]

Katie Armstrong zeigt, wie die Möglichkeiten des Web genutzt werden können, um kulturelles Schaffen zu finanzieren. Die Macht der Vielen zu nutzen und sich zu erschließen ist vielleicht die wichtigste Finanzierungsquelle für Social Entrepreneurship und Cultural Entrepreneurship.

Was es braucht, um mit Crowdfundig erfolgreich zu sein, kann man an Katies Beispiel schön sehen.

  • Sie ist in ihrem Video authentisch und sympathisch. Und sie stellt sich und ihrer Kunst vor. (Teile des Videos im Beitrag). Es geht darum, sich und das eigene Schaffen zu vermitteln. „Wer möchte Geld und für was?“ Diese Fragen gilt es zu beantworten.
  • Sie bietet als „Dankeschön“ an: ein Libretto mit einem Essay von ihr, Pins, ein T-Shirt, eine DVD … Dinge, die sie selbst gestaltet hat bzw. die in Zusammenhang mit ihrer künstlerischen Tätigkeit stehen. Es geht darum, etwas als Gegenleistung anzubieten, dass einen direkten Nutzen für die Unterstützer hat und mit dem eigenen Schaffen in Verbindung steht.
  • Was man im Beitrag nicht sieht, Katie postet regelmäßig Beiträge auf ihrem Blog. Worum es geht, wird von Anna Theil von startnext.de angesprochen: Kommunikationskanäle nutzen und „Eigenmarketing“ betreiben. Je mehr Fans, Freunde und Follower man hat, desto mehr potentielle Geber können auf die Aktion aufmerksam werden.
  • Denn was man auch im Beitrag nicht sieht: kickstarter.com hat täglich 2,5 Mio Seitenaufrufe. Die Chance, hier schon potentiell Untersützer zu finden ist um ein vielfaches höher als auf startnext.de, der ersten deutschen Crowdfundig Plattform (unter 10.000 Seitenaufrufe pro Tag). startnext.de ist erst seit Oktober diesen Jahres richtig einsatzbereit und Crowdfunding ist in den USA bereits etabliert. Umso wichtiger ist es, Unterstützer aus den „eigenen Reihen“ zu motivieren. [Zahlen via http://www.checkwebsitestats.com]

Unterstützer motivieren und etwas anbieten, dass die Unterstützer gebrauchen können – das ist im Grunde nichts anderes als ein Produkt haben bzw. herstellen und Käufer dafür finden. Nur dass hier nicht das Produkt sondern die soziale bzw. künstlerische Tätigkeit im Vordergrund steht. Entrepreneurship dreht sich immer um die Frage: Was kann ich mit meiner Tätigkeit erzeugen, wofür andere bereit sind, Geld auszugeben? Diese Frage ist nicht immer leicht zu beantworten, für Cultural Entrepreneurs meist leichter als für Social Entrepreneurs, aber es gibt immer eine Antwort darauf. Wer Unterstützung bei der Suche nach einer Antwort möchte, kann über hallo@nettberaten.de gern Kontakt aufnehmen.

Nicht für alle Projekte und Unternehmungen ist Crowdfunding die beste Finanzierungsmöglichkeit, aber viele können darüber (teil)finanziert werden. Gerade für kleinere und zeitlich begrenzte Projekte oder für Unternehmungen in der Anfangsphase ist es eine echte Chance. 

Mit Kreativitätstechniken neue Wege finden.

Grundsätzlich eignet sich jede Kreativitätstechnik um herauzufinden, wie man nettHandeln kann. Welcher Techniken man sich bedient, hängt von den Teilnehmern, der Aufgabenstellung und den definierten Zielen ab.

Ein Ziel könnten sein: Mindestens 10 Maßnahmen identifizieren, wie das eigene Unternehmen umweltfreundlicher gestaltet werden kann. Bei dieser Aufgabenstellung ist es gut, wenn man möglichst viele Köpfe einbezieht, möglichst schnell, möglichst viele Ideen zusammen trägt um daraus die 10 vielversprechensten auszuwählen. Diese 10 Ergebnisse können später genauer in Betracht gezogen werden.

Intuitive Methoden wie das Brainstorming führen schnell zu viele Ideen. Assoziationen, Umkehrungen und „sinnfreie“ Verknüpfungen generieren dabei Vorschläge auch abseits der gewohnten Denkmuster, die zu Perspektivwechseln, tieferem oder neuem Verständnis führen.

Das Ziel könnte auch sein: Drei praktikable Ansätze entwickeln, wie die Vereinsarbeit nachhaltig finanziert werden kann. Bei dieser komplexeren Aufgabenstellung ist es gut, eine kleinere Gruppe am Tisch zu haben, da Teilaspekte differenziert erarbeitet werden müssen. Umfangreichere Kreativitätstechniken, wie beispielsweise die Zukunftswerkstatt können zu durchdachten und fundierten Ergebnissen führen, auf die dann im weiteren Prozess des Entrepreneurial Designs aufgebaut werden kann.

Auf http://de.wikipedia.org/wiki/Ideenfindung gibt es eine Übersicht und Erklärungen zu den verschiedenen Kreativitätsmethoden.

Auf http://www.kreativ-sein.de/d/d/dltechniken.html werden verschiedene Kreativitätstechniken erklärt und können als pdf heruntergeladen werden.

Wie auch immer das Ziel ist und welche Technik auch angewendet wird, unmotivierte Teilnehmer führen zu uninspirierten Ergebnissen. Ohne eine offene und vertrauensvolle – ungehemmte – Atmosphäre kann auch mit den besten Kreativtechniken niemand wirklich kreativ sein.

CSR in der Praxis (eine Polemik)

Moritz Delbrück schreibt in seinem Artikel CSR in der Praxis: der Scheinheiligkeit bitte endlich ein Ende!: „Man geht an das Thema CR/CSR vor allem so heran, dass mit möglichst wenig (womöglich schmerzhaftem) Einsatz möglichst viel Öffentlichkeitswirksamkeit erzeugt wird.“

Schaut man sich den Titel dieses Seminars und den Preise dafür an (inkl. 5-Gang-Dinner mit korrespondierenden Weinen, zzgl. Übernachtungskosten!), weiss man, was er meint.

Solange CSR auf diesem Niveau verstanden wird, fehlt die Grundlage für verantwortliches Handeln – Verständnis und Problembewußtsein. Die Maßnahmen sind halbherzig, oberflächlich und/oder Augenwischerei. Ganz besonders aber wird dabei die Chance verschenkt, verantwortliches Handeln als wichtigen Innovationsfaktor und potentiellen Marktvorteil zu erkennen. 

Setzt man sich ernsthaft mit verantwortungsvollem Handeln auseinander, erkennt man schnell: es gibt Pflicht und Kür. Die Pflicht ist: tue nichts schlechtes. die Kür ist: tue gutes.

Das, was gemeinhin unter CSR verstanden wird, ist nur die Pflicht. Ein Mindesmaß an Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und Umwelt zu tragen, sollte für jeden Menschen selbstverständlich sein, erst Recht für Führungskräfte in Unternehmen.

Nichts schlechtes tun, heisst, bei dem, was man tut, dieser Verantwortung gerecht zu werden: keine gesundheitsschädlichen Produkte (traurig, dass es erwähnt werden muss!), umweltverträgliche Produkte, faire Produktionsbedingungen und Handelsbeziehungen, ressourcenschonende und möglichst klimaneutrale Produktionsprozesse, Mitarbeiter als Menschen und nicht als Humankapital zu verstehen.

Leider ist es  noch nicht mal so, das die Pflicht erfüllt wird. Viele Unternehmen, die CSR einsetzen (die Terminologie ist schon falsch – CSR nimmt man wahr!), haben noch nicht einmal die Pflicht erfüllt und brüsten sich schon mit der Kür. Engagement da, wo es medienwirksam ist, business as usual ansonsten. In der Regel ist CSR eine Angelegenheit der Kommunikationsabteilung. Aber erst dann, wenn es Chefsache und in jedem Unternehmensbereich verankert ist, kann man von Pflichterfüllung sprechen.

Wir wissen, dass wir so wie bisher nicht weitermachen können, wir wissen, dass wir den Planeten aussaugen, soziale Verwerfungen produzieren und unsere Lebensgrundlage zerstören. Wer glaubt, diesen Herausforderungen mit ein paar halbherzigen Aktionen begegnen zu können, wird früher oder später merken, dass er falsch lag und auf der Strecke bleiben.

Wer sich jetzt den Herausforderungen stellt und nach Lösungen und Möglichkeiten sucht, wird Vorsprung an Wisssen und Glaubwürdigkeit erlangen, der sich schon innerhalb kurzer Zeit als bare Münze erweisen wird. Die Probleme werden nicht weniger, die Herausforderungen nicht geringer. Diese Erkenntnis setzt sich bei immer mehr Menschen durch: Bio, Fair Trade, klimaneutral, immer mehr Konsumenten honorieren verantwortliches Handeln.

Wenn Sie sich mit Ihrem Unternehmen der Herausforderung stellen möchten, vereinbaren sie einen Termin für ein kostenloses und unverbindliches Erstgespräch.