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Bridging the Gap – Worauf es bei Kooperation und Kollaboration ankommt

Als ich für die 11. Socialbar Dresden gebeten wurde, einen Impulsvortrag zu halten, der vermittelt, worum es bei den evoluzzern eigentlich geht, wer die Antwort spontan recht einfach: Wir wollen Interessierte und Engagierte für einen gesellschaftlichen Wandel zusammenbringen, Verbindungen und Zusammenhänge aufzeigen, Informationen verbreiten und Wissen austauschen. Also sagte ich – leichtfertig, wie sich später zeigte – zu.

Die Kernaussage, war noch recht schnell gefunden und formuliert: Wir wollen Brücken bauen, um Gräben zu überwinden. Doch damit ging die eigentliche Problematik los. Wenn wir nur genau genug hinschauen, finden wir Gräben überall, in unserem näheren und weiteren Umfeld, in unserer Gesellschaft, in unserer Kultur, zwischen den verschiedenen Kulturen und auch – oder sogar besonders – in uns selbst. Das Thema wurde plötzlich so komplex und vielschichtig, dass ich es nicht schaffte, es in einem 15minütigen Vortrag ausreichend fassbar zu machen und schon gar nicht, die Wege aufzuzeigen, wie diese Gräben überwunden werden können.

Die verwendeten Slides (modifiziert im Oktober 2013, da Bildnachweise/-quellen nicht mehr nachvollziehbar waren) setzen nur Schlaglichter auf Ansätze und Aspekte, die, jeder für sich, einen abendfüllenden Vortrag hergeben würden, ohne ganz durchdrungen zu werden. Doch denke ich, dass der Versuch einer vielseitigen Betrachtung es wert ist, festgehalten zu werden, auch wenn er naturgemäß nicht alles erfassen kann.

Wie schon angemerkt, sind die Gräben vielschichtig und in nahezu jeder Dimension unserer Existenz zu finden, um jedoch die bestehenden Umstände (Multi-Crisis-Dilemma) überwinden zu können, müssen wir Wege und Methoden finden, wie wir gemeinsame Visonen und Ziele schaffen und echte Zusammenarbeit erreichen.

Zu verstehen, aus welchen Standpunkten und Perspektiven ein Gegenüber handelt und argumentiert, ist dafür genau so wichtig wie das Erkennen der jeweiligen Ziele und Absichten. Zudem spielen die ökonomischen Faktoren eine wesentliche Rolle. Angefangen beim verfügbaren Zeit- und Aufmerksamkeitskontingent über die jeweiligen momentanen Prioritäten bis hin zur Vermittlung von möglichen Mehrwerten gibt es viele Gründe, die für Zusammenarbeit sprechen, diese aber zum aktuellen Zeitpunkt verhindern. Diese doch zu erreich ist nur möglich, wenn die eigene Position klar ist und formuliert werden kann, daher sind Selbsterkenntnis und achtsame Kommunikation unabdingbar.

Das Wissen über die eigenen Ziele und Wünsche vorausgesetzt, ist die Kongruenz in der Perspektive auf ein Thema für einen befruchtenden Austausch Voraussetzung. Blickt jemand mit einer inneren individuellen Sicht auf ein Thema, wird es keine gemeinsame Basis geben, wenn die eigene Perspektive gesellschaftliche Normen oder Werte im Blick hat. Vergleichbares gilt beim Finden einer gemeinsamen ökonomischen Basis. Ist mensch selbst oder das Gegenüber vorrangig an der Verbreitung der eigenen Themen, Thesen oder Lösungen interessiert, wird der Aufbau einer Beziehung oder der Austausch von Leistungen nur dann gelingen, wenn den Inhalten eine adäquate Aufmerksamkeit entgegengebracht wird.

So wichtig wie der Mehrwert für die Ziele und Intensionen ist das Äquivalent für die „investierte“ Zeit, sprich, die Antwort auf die Frage: Was habe ich persönlich davon? Geld ist zwar die offensichtlichste, glücklicherweise aber nicht die einzige, Währung. Ein Zuwachs an Wissens, die Inanspruchnahme von Fähigkeiten oder eine Steigerung der eigenen Reputation können als alternative Währungen gesehen werden, die einen vergleichbaren Charakter haben bzw. sich zumindest innerhalb eines subjektiven Bezugsrahmens in Geldwerte umrechnen lassen. Die Herausforderung liegt darin, den Wert und die Währung zu finden und zu vermitteln, die in den gemeinsamen Zielen und einer möglichen Kooperation liegen.

Ob eine solche Zustande kommt, hängt auch stark davon ab, welche Prioritäten gerade gesetzt werden. Ist Sinn/Nutzen/Wert einer Zusammenarbeit, sprich: das Problem, was damit gelöst werden kann, von hoher Wichtigkeit und Dringlichkeit, ist auch die Wahrscheinlichkeit für ihr Zustandekommen sehr hoch. Ist die Kooperation zwar sinnvoll, drängen aber andere Probleme oder Aufgaben mehr, werden auch keine oder nur wenig Zeit und Energie investiert. Nach gleichem Muster kann und sollte mensch auch selbst vorgehen: Kooperationen, die zwar sinnvoll erscheinen aber weder die wichtigen noch die dringenden Aspekte adressieren, sollten besser hinten angestellt werden. Was letztlich nicht heißt, dass es nicht doch dazu kommen kann oder wird – nur eben nicht zum aktuellen Zeitpunkt.

Kommt es schließlich zur Zusammenarbeit, rücken die beteiligten Persönlichkeiten verstärkt in den Vordergrund. Neben dem Wissen über das eigene Persönlichkeitsmuster sind Einordnungen aller beteiligten Menschen förderlich. Einerseits, um eine Ausgewogenheit zu erreichen und von den Stärken aller Quadranten/Rollen/Eigenschaften zu profitieren, andererseits, um in Entscheidungs- und Lösungsfindungsprozessen die individuellen Haltungen, Argumtentation oder Handlungen einordnen zu können.

Der Weg hin zu Kooperation und Kollaboration ist sicher nicht einfach und schon gar nicht geradlinig aber er ist lohnenswert und notwendig, um die Energien für gesellschaftliche Veränderungen zu bündeln. Viele Aspekte wurden hier nicht berücksichtigt, zum Beispiel fehlen die verschiedenen Ebenen der Kommunikation oder wie sich gemeinsame Ziele oder konkrete Wege der Zusammenarbeit finden lassen. Ich hoffe jedoch trotzdem einen Impuls gesetzt zu haben, der das Verständnis für und den Umgang miteinander fördert.