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Friendraising statt Fundraising – Eindrücke vom Fundraising2.0Camp in Berlin

Am 21.01.2011 fand in Berlin zum zweiten Mal das Fundraising2.0Camp statt. Weitere Infos dazu gibt es auf der Mixxt-Community-Seite, der Facebook-Seite und unter dem Twitter-Hashtag #frc20. Da jede Session dokumentiert wurde, wird es sicher auch eine Aufbereitung geben. Ich möchte mich daher auf meine Eindrücke und Gedanken konzentrieren.

„Friendraising statt Fundraising“ war für mich die zentrale Aussage. Neben den „üblichen Verdächtigen“ – Sessions zu Social Media, Online-Fundraising, Facebook-Nutzung etc. – kam auch immer wieder das Thema durch, was gutes Fundraising abseits der Tools und Kits denn ausmacht und welche Auswirkungen die Veränderungen in der Mediennutzung und im Kommunikationsverhalten auf die Fundraising-Arbeit haben.

„In erster Linie geht es darum Beziehungen aufzubauen.“ war immer wieder zu hören. Darum ging es mit Sicherheit auch schon in der Vor-Web2.0-Zeit aber durch die neuen Kommunikationsmöglichkeiten eröffnen sich neue Wege. Wie diese beschritten werden können, ist für viele noch nicht klar gewesen. Auch das „erst die Menschen, dann die Spenden“ kommen, folgt diesem Tenor und tatsächlich merkte man vielen an, dass ihnen der Inhalt ihrer Tätigkeit – der Zweck, für den sie Fundraising betreiben – wirklich am Herzen liegt und sie diesen mit Leidenschaft vermitteln.

Um so überraschter war ich, dass in der letzten Session das Thema Werte und Inhalte kritisch und mit Verve auf den Tisch geknallt wurde.
(Die Session wurde von Jörn Georg aus Hamburg gehalten, würde gern auf ihn verlinken, …) 

In drei provokanten Thesen wurde die versammelte Fundraiserschaft mit ihrem Tun konfrontiert:

„Systemisch Wirken statt systematisch Arbeiten“ – nicht Strukturen etablieren sondern temporäre Initiativen fördern
„Echte Werte statt falsches Geld“ – nicht Gelder und Kontakte sammeln sondern (Wissen, Informationen, Aufgaben etc.) teilen, mitteilen und verteilen.
„Einlasswandel statt Ablasshandel“ – echte Beziehungen aufbauen, mehr „fordern“ als nur Geld, Aktivitäten und Engagement fördern

Mit diesen Thesen konfrontiert, setzte bei einigen der Rechtfertigungsreflex ein und fast alle waren „gekitzelt“ Stellung zu beziehen. Rege und teils vehemente Wortmeldungen folgten … für mich die mit Abstand beste Session des Tages.

Die Kritik wurde durchaus positiv und konstruktiv aufgenommen. Das kalkulierte „Abschöpfen“ gerade älterer Menschen zur Weihnachtszeit kam genauso zur Sprache wie der Unwille mancher Organisation, Freiwillige in ihre Arbeit zu integrieren oder die Notwendigkeit zu Hinterfragen, aus welcher Quelle so manche Spende kommt. Andererseits ist es beispielsweise schwierig, das freiwillige Engagement hier, Projekten in Entwicklungsländern zu Gute kommen zu lassen. Geld lässt sich wesentlich leichter transferieren. Auch muss der Aufwand für die Koordination der Freiwilligen bewältigt werden. Fachwissen wird wesentlich häufiger benötigt, als die „helfende Hand“.

Zwei Dinge habe ich für mich aus dieser Session mitgenommen: Man sollte ruhig mal provozieren und polarisieren, damit bekommt man richtig gute und engagiert geführte Diskussionen losgetreten aus denen sich auch die Beteiligten wirklich etwas ziehen können. Und Fundraiser kämpfen ein bisschen mit ihrem Bild und Selbstverständnis, was der Satz „Man muss sich als Fundraiser nicht dafür schämen, Geld einzusammeln.“ sehr schön impliziert. Dazu passend auch die (eigentlich rhetorische) Frage, die in dieser Session aufgeworfen wurde: „Wenn du als Fundraiser feststellst, dass eine andere Organisation deinen Kampagnenzweck besser umsetzt, würdest du ihr das Geld geben?“

Das bringt mich auch zu dem, was mir insgesamt bei diesem Fundraising2.0Camp gefehlt hat: Die nachhaltige finanzielle Tragfähigkeit von Projekten. Es wurde zwar über den Aufbau und die Notwendigkeit nachhaltiger Beziehungen zu den Spendern/Unterstützern gesprochen. Wie sich aber Projekte so gestalten lassen, dass das Fundingvolumen verringert wird oder wie diese über längere Sicht finanziell unabhängig werden können, war kein Thema. Dabei würden Social Entrepreneurship Modelle einige Probleme lösen, mit denen Fundraiser konfrontiert sind, wie Argumente für potentielle Spender oder Erfolgsmessung und -kontrolle. Vor allem aber setzen sie Mittel frei, die in andere Projekte fließen können. Vielleicht war und ist das FundraisingCamp – wie mir mitgeteilt wurde – nicht der richtige Rahmen, ich werde es als Session-Idee für das nächste Jahr aber im Hinterkopf behalten.

5 Fundraisingtrends für gemeinnützige Organisationen in 2011

Immer zum Jahreswechsel schießen die Prognosen und Trends für das kommende Jahr aus dem Boden. Angeregt durch einen Link bei fundraising2.0 habe ich mir die Punkte rausgesucht, die imho im Fundraising und der Arbeit gemeinnütziger Organisationen die Trends des vor uns liegenden Jahres sein werden. Gut gelegen kam mir dabei auch der „Was geschah 2010 im sozialen Sektor?“ auf dem Blog des betterplace-lab. Die Trends sind subjektiv und sicher nicht vollständig. Weitere Trends oder Meinungen dazu können gern als Kommentar hinterlassen werden.

  1. Online-Fundraising wird immer bedeutender
    Bisher hat nur ein kleiner Teil der gemeinnützigen Organisationen Online-Fundraising erfolgreich eingesetzt oder es zumindest ernsthaft versucht. Während face-to-face Fundraising immer unpopulärer wird, führt mit der steigenden Anzahl an Spenden- und Kampagnen-Plattformen sowie der wachsenden Aufmerksamkeit auf diesem Bereich, fast kein Weg mehr daran vorbei. Neben den deutlich geringeren Kosten gegenüber Direktmailings, fallen Online-Spenden signifikant höher aus („Spendenmarkt Deutschland“). Hinzu kommen Skaleneffekte und die direkte Verbindung mit den Unterstützern über die sozialen Medien.
  2. Soziale Medien werden ernstgenommen
    Die direkte Kommunikation mit den Unterstützern ist die Schlüsselkompetenz und wird immer mehr als solche erkannt. Organisationen, die Verantwortlichkeiten für das Community-Management schaffen und ihre Social Media Präsenz(en) in ihre Kernaktivitäten integrieren, werden dem gerecht. Unterstützer wollen informiert und beteiligt werden und aus der „Crowd“ können neue Impulse oder Lösungen hervorgehen. Ziel der Kommunikation sollte dabei immer sein, Vertrauen und Bindung aufzubauen.
  3.  Insbesondere kleine Organisationen setzen auf Vertrauen
    Während große Organisationen auf Ihre Bekanntheit und Reichweite setzen können, kommt es für kleine Organisationen immer mehr darauf an, Vertrauen und langfristige Beziehungen mit Ihren Unterstützern aufzubauen. Sowohl on- als auch offline investieren Organisationen in vertrauensbildende Maßnahmen und schaffen Identifikationsangebote. So werden aus Spendern echte Unterstützer und Botschafter.
  4. Unterstützer werden zu Botschaftern, Fundraisern und Organisatoren
    Das Potential von Unterstützern, die hinter einer Organisation stehen, ist enorm. Immer mehr Organisationen erkennen und nutzen es. Enthusiasmus ist ansteckend und die Verbreitung über persönliche Empfehlungen hat eine hohe Relevanz. Unterstützer, die selbst aktiv werden, lokale Events und Aktionen organisieren oder sich daran beteiligen, sind unbezahlbar. Was sie benötigen sind Informationen, Unterstützung und Vertrauen – und Kampagnen, die sie zum Aktivwerden einladen und motivieren. 
  5.  Unternehmerische Ansätze gewinnen an Bedeutung
    Neben den Dauertrends Monitoring und Erfolgsmessung von Kampagnen und Organisationsarbeit spielen Social Businesses und Social Entrepreneurship eine immer größere Rolle. Wesentliche Elemente sind Abkehr von klassischen Non-Profit Strukturen hin zu finanzieller Tragfähigkeit und Unabhängigkeit. Im Mittelpunkt stehen die gesellschaftlichen Herausforderungen, Gewinnerzielungsabsichten spielen keine Rolle. Mit enorm gibt es seit 2010 das erste Magazin, dass sich diesem Thema annimmt und mit startnext.de ist die erste Crowdfundingplattform in Deutschland gestartet. Einzelne Projekte innerhalb der Organisationsarbeit können darüber finanziert werden oder Anschubfinanzierung erhalten.  

Zusammenfassend kann gesagt werden: erfolgreiches Fundraising 2011 ist persönlich, digital und integrativ. Für mehr Informationen zu Online-Fundraising, Social Media, Social Business und Social Entrepreneurship, nehmen Sie bitte Kontakt auf.