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20. NPO-Blogparade: Crowdsourcing und Crowdfunding für Non Profit Organisationen

Auf dem Kulturmarketingblog läuft noch bis 05.02.2011 eine Blogparade zum Thema „Crowdsourcing und Crowdfunding – Nutzen, Chancen und Risiken für den Non Profit Bereich“. Da ich mich selbst intensiv mit diesem Thema beschäftige, möche ich meine 2 Cent auch dazu beisteuern. Der Link zum Artikel, der auch Infos dazu enthält, was eine Blogparade ist und auf einige Beiträge zum Thema Crowdsourcing und Crowdfunding verlinkt:
http://kulturmarketingblog.de/20-npo-blogparade-crowdsourcing-und-crowdfunding-fur-non-profit-organisationen/311

Gerade im Non Profit Bereich kommt es darauf an, viele Menschen zu erreichen, zu begeistern und zu involvieren. Und es kommt darauf an, die „richtigen“ Mittel und Wege zu finden, um die adressierten Probleme zu lösen und die Arbeit daran nachhaltig erfolgreich zu gestalten. Ideen-Crowdsourcing bietet dafür einen entscheidenden Vorteil: Es erfolgt keine Kompetenz-Selektion der Teilnehmer. Jeder, der sich berufen oder motiviert fühlt, kann sich daran beteiligen. Neue, andere, unerwartete Lösungsvorschläge können auftreten, interdisziplinäre Verknüpfungen können entstehen – Serendipität wird befördert.

Das alles geht nicht und nützt auch wenig ohne die entsprechende Organisation. Sowohl auf technischer Ebene als auch in der Kommunikation müssen die Strukturen vorhanden sein und Maßnahmen durchgeführt werden, um die Dynamik der „Crowd“ aufzufangen, in die gewünschten Bahnen zu lenken und natürlich einen möglichst großen Teilnehmerkreis zu erreichen. Aber auch innerhalb der NPO müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Fehlende Verwertungsfähigkeit der Inputs und Ergebnisse oder mangelnde Bereitschaft, unerwartete Ergebnisse aufzunehmen, lassen Crowdsourcing-Effekte verpuffen.

Crowdsourcing als Auslagerung von Arbeitsschritten oder -prozessen stellt wiederum andere Anforderungen. In erster Linie geht es darum, die anstehende Arbeit so zu zerlegen, dass einzelne, auslagerbare und durchführbare Arbeitspakete entstehen, denen sich tatsächlich angenommen wird und die im gewünschten Ergebnis münden. Vorteil dabei ist, dass die Teilnehmer ein Stück des Projektes übernehmen und damit Bindung und Identifikation aufbauen. Für NPO ein wesentlicher Aspekt im Community-Management.

Den „Vorwurf“ der Ausbeutung durch Crowdsourcing halte ich für konstruiert. Einerseits steht es Jedem frei, sich zu beteiligen andererseits entscheiden die Motivationsmechanismen über Teilnahme und Engagement. Die Gefahr des Ideenklau besteht grundsätzlich, stellt aber mE. eine Herausforderung für die Organisation und Konzeption dar. Wenn kritische Informationen preisgegeben werden müssen, um erfolgreich sein zu können, stimmt etwas mit der Ausgestaltung nicht und wird sicher negative Effekte auf die Teilnahmebereitschaft haben.

Crowdfunding ist im deutschprachigen Raum noch eine sehr junge Form der Finanzierung gemeinnütziger Tätigkeit. Wobei das wohlbekannte Spendensammeln ja eigentlich auch Crowdfunding ist. Im Gegensatz zum klassischen Spendensammeln kommt es beim Crowdfunding darauf an, eine Gegenleistung zu erbringen. Das wiederum stellt neue Anforderungen an die Organisationsarbeit und das Verständnis dahinter. Social Entrepreneurship liegt an der Schnittstelle zwischen gemeinnütziger Tätigkeit und unternehmerischer Herangehensweise und schlägt die Brücke vom Spendensammeln zum Crowdfunding.

Mit den Möglichkeiten des Internet und der sozialen Medien konnte erst die „Crowd“ erschlossen werden. Dahinter steckt mehr als eine Ausweitung der Kommunikationsmöglichkeiten durch technologische Entwicklungen. Was stattfindet ist ein Kulturwandel, der sicher nicht innerhalb der nächsten zwei Jahre abgeschlossen ist. Crowdsourcing und Crowdfunding stehen erst am Anfang und werden sich in den nächsten Jahren zu wesentlichen Bestandteilen gesellschaftlicher Arbeit und gesellschaftlichen Engagements entwickeln. Nicht nur dass öffentliche Gelder immer weniger den Bedarf decken können, es steckt auch ein grundlegend demokratisches Element darin, das die Bürgergesellschaft weiter fordert und durch durch die Bürgergesellschaft befördert wird.

 

5 Fundraisingtrends für gemeinnützige Organisationen in 2011

Immer zum Jahreswechsel schießen die Prognosen und Trends für das kommende Jahr aus dem Boden. Angeregt durch einen Link bei fundraising2.0 habe ich mir die Punkte rausgesucht, die imho im Fundraising und der Arbeit gemeinnütziger Organisationen die Trends des vor uns liegenden Jahres sein werden. Gut gelegen kam mir dabei auch der „Was geschah 2010 im sozialen Sektor?“ auf dem Blog des betterplace-lab. Die Trends sind subjektiv und sicher nicht vollständig. Weitere Trends oder Meinungen dazu können gern als Kommentar hinterlassen werden.

  1. Online-Fundraising wird immer bedeutender
    Bisher hat nur ein kleiner Teil der gemeinnützigen Organisationen Online-Fundraising erfolgreich eingesetzt oder es zumindest ernsthaft versucht. Während face-to-face Fundraising immer unpopulärer wird, führt mit der steigenden Anzahl an Spenden- und Kampagnen-Plattformen sowie der wachsenden Aufmerksamkeit auf diesem Bereich, fast kein Weg mehr daran vorbei. Neben den deutlich geringeren Kosten gegenüber Direktmailings, fallen Online-Spenden signifikant höher aus („Spendenmarkt Deutschland“). Hinzu kommen Skaleneffekte und die direkte Verbindung mit den Unterstützern über die sozialen Medien.
  2. Soziale Medien werden ernstgenommen
    Die direkte Kommunikation mit den Unterstützern ist die Schlüsselkompetenz und wird immer mehr als solche erkannt. Organisationen, die Verantwortlichkeiten für das Community-Management schaffen und ihre Social Media Präsenz(en) in ihre Kernaktivitäten integrieren, werden dem gerecht. Unterstützer wollen informiert und beteiligt werden und aus der „Crowd“ können neue Impulse oder Lösungen hervorgehen. Ziel der Kommunikation sollte dabei immer sein, Vertrauen und Bindung aufzubauen.
  3.  Insbesondere kleine Organisationen setzen auf Vertrauen
    Während große Organisationen auf Ihre Bekanntheit und Reichweite setzen können, kommt es für kleine Organisationen immer mehr darauf an, Vertrauen und langfristige Beziehungen mit Ihren Unterstützern aufzubauen. Sowohl on- als auch offline investieren Organisationen in vertrauensbildende Maßnahmen und schaffen Identifikationsangebote. So werden aus Spendern echte Unterstützer und Botschafter.
  4. Unterstützer werden zu Botschaftern, Fundraisern und Organisatoren
    Das Potential von Unterstützern, die hinter einer Organisation stehen, ist enorm. Immer mehr Organisationen erkennen und nutzen es. Enthusiasmus ist ansteckend und die Verbreitung über persönliche Empfehlungen hat eine hohe Relevanz. Unterstützer, die selbst aktiv werden, lokale Events und Aktionen organisieren oder sich daran beteiligen, sind unbezahlbar. Was sie benötigen sind Informationen, Unterstützung und Vertrauen – und Kampagnen, die sie zum Aktivwerden einladen und motivieren. 
  5.  Unternehmerische Ansätze gewinnen an Bedeutung
    Neben den Dauertrends Monitoring und Erfolgsmessung von Kampagnen und Organisationsarbeit spielen Social Businesses und Social Entrepreneurship eine immer größere Rolle. Wesentliche Elemente sind Abkehr von klassischen Non-Profit Strukturen hin zu finanzieller Tragfähigkeit und Unabhängigkeit. Im Mittelpunkt stehen die gesellschaftlichen Herausforderungen, Gewinnerzielungsabsichten spielen keine Rolle. Mit enorm gibt es seit 2010 das erste Magazin, dass sich diesem Thema annimmt und mit startnext.de ist die erste Crowdfundingplattform in Deutschland gestartet. Einzelne Projekte innerhalb der Organisationsarbeit können darüber finanziert werden oder Anschubfinanzierung erhalten.  

Zusammenfassend kann gesagt werden: erfolgreiches Fundraising 2011 ist persönlich, digital und integrativ. Für mehr Informationen zu Online-Fundraising, Social Media, Social Business und Social Entrepreneurship, nehmen Sie bitte Kontakt auf.

 

Crowdfundig zur Finanzierung sozialer und kultureller Tätigkeit

Auf arte.tv ist ein Beitrag über die amerikanischen Künstlerin Katie Armstrong veröffentlicht. Um die Teilnahme an einem internationalen Kunstprogramm in Leipzig zu finanzieren, fragte sie auf kickstarter.com, ob Jemand bereit ist, ihr zumindest einen kleinen Teil der Reise zu finanzieren und bietet ihre Kunst im Gegenzug dafür an. Sie erhielt vier mal mehr Geld, als sie angefragt hatte.

„Crowdfunding, das Begeistern einer anonymen Masse im Internet für die eigene Idee“  [Zitat aus dem Beitrag (erster Satz)]

Katie Armstrong zeigt, wie die Möglichkeiten des Web genutzt werden können, um kulturelles Schaffen zu finanzieren. Die Macht der Vielen zu nutzen und sich zu erschließen ist vielleicht die wichtigste Finanzierungsquelle für Social Entrepreneurship und Cultural Entrepreneurship.

Was es braucht, um mit Crowdfundig erfolgreich zu sein, kann man an Katies Beispiel schön sehen.

  • Sie ist in ihrem Video authentisch und sympathisch. Und sie stellt sich und ihrer Kunst vor. (Teile des Videos im Beitrag). Es geht darum, sich und das eigene Schaffen zu vermitteln. „Wer möchte Geld und für was?“ Diese Fragen gilt es zu beantworten.
  • Sie bietet als „Dankeschön“ an: ein Libretto mit einem Essay von ihr, Pins, ein T-Shirt, eine DVD … Dinge, die sie selbst gestaltet hat bzw. die in Zusammenhang mit ihrer künstlerischen Tätigkeit stehen. Es geht darum, etwas als Gegenleistung anzubieten, dass einen direkten Nutzen für die Unterstützer hat und mit dem eigenen Schaffen in Verbindung steht.
  • Was man im Beitrag nicht sieht, Katie postet regelmäßig Beiträge auf ihrem Blog. Worum es geht, wird von Anna Theil von startnext.de angesprochen: Kommunikationskanäle nutzen und „Eigenmarketing“ betreiben. Je mehr Fans, Freunde und Follower man hat, desto mehr potentielle Geber können auf die Aktion aufmerksam werden.
  • Denn was man auch im Beitrag nicht sieht: kickstarter.com hat täglich 2,5 Mio Seitenaufrufe. Die Chance, hier schon potentiell Untersützer zu finden ist um ein vielfaches höher als auf startnext.de, der ersten deutschen Crowdfundig Plattform (unter 10.000 Seitenaufrufe pro Tag). startnext.de ist erst seit Oktober diesen Jahres richtig einsatzbereit und Crowdfunding ist in den USA bereits etabliert. Umso wichtiger ist es, Unterstützer aus den „eigenen Reihen“ zu motivieren. [Zahlen via http://www.checkwebsitestats.com]

Unterstützer motivieren und etwas anbieten, dass die Unterstützer gebrauchen können – das ist im Grunde nichts anderes als ein Produkt haben bzw. herstellen und Käufer dafür finden. Nur dass hier nicht das Produkt sondern die soziale bzw. künstlerische Tätigkeit im Vordergrund steht. Entrepreneurship dreht sich immer um die Frage: Was kann ich mit meiner Tätigkeit erzeugen, wofür andere bereit sind, Geld auszugeben? Diese Frage ist nicht immer leicht zu beantworten, für Cultural Entrepreneurs meist leichter als für Social Entrepreneurs, aber es gibt immer eine Antwort darauf. Wer Unterstützung bei der Suche nach einer Antwort möchte, kann über hallo@nettberaten.de gern Kontakt aufnehmen.

Nicht für alle Projekte und Unternehmungen ist Crowdfunding die beste Finanzierungsmöglichkeit, aber viele können darüber (teil)finanziert werden. Gerade für kleinere und zeitlich begrenzte Projekte oder für Unternehmungen in der Anfangsphase ist es eine echte Chance.