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Wir müssen weg vom Förderdenken

Bei den Veranstaltungen und Gesprächen in letzter Zeit ist mir aufgefallen: sobald das Thema Finanzierung gemeinnütziger Aktivitäten aufkommt, ist „Förderung“ der erste und oft auch einzige Gedanke. Meist so gemeint, dass doch bitte die öffentliche Hand zur Hand gehen soll und das möglichst dauerhaft. Aber Föderungen werden genehmigt und Förderungen werden gestrichen. Und wir müssen uns wohl damit abfinden, dass die öffentliche Hand immer weniger Geld für Förderungen zur Verfügung stellt, weil sie es schlicht nicht hat oder in andere Bereiche leitet.
Im Nachbericht zum ersten Workshop zur Kreativwirtschaft in Dresden im „konzeptspeicher“ von Sebastian werden im Fazit Vorschläge gemacht, die das Problem zeigen*

  • nicht Förderung einzelner Akteure sondern Gruppenförderungen
  • Aufbau eines durch die Stadt getragenen Netzwerkbüros
  • Förderung einer Halbtagsstelle zum Ausbau eines virtuellen Netzwerkes

Zum einen fließt das Geld in eine Richtung aber nicht wieder zurück, zum anderen wird mit dem Geld etwas aufgebaut, dass wieder wegbricht, sobald kein neues Geld nachfließt. Was allen Vorschlägen fehlt, ist der Gedanke der dauerhaften finanziellen Tragfähigkeit. Wenn das Geld aus der Förderung wieder zurückließen kann, um neuen Projekten und Initiativen zur Verfügung zu stehen, ist allen geholfen und eins gewonnen: Unabhängigkeit. Die öffentliche Hand schiebt nur noch an und braucht nicht dauerhaft da zu sein und neue Ideen ersticken nicht in Bürokratie.
Wir müssen einfach ein bisschen weiter denken als bis zum Naheliegensten und uns die Fragen stellen:

  • Wozu brauchen wir die Förderung?
  • Welchen (zusätzlichen) Nutzen können wir mit dem was wir vorhaben erzeugen?
  • Wer kann davon (noch) profitieren?
  • Wer ist bereit, dafür zu zahlen – und wofür genau?

Am Beispiel des Netzwerkbüros wird die Förderung dafür gebraucht, mindestens eine Person zu beschäftigen, Miete und Materialien zu finanzieren und aktiv werden zu können. Der Nutzen ist offensichtlich eine Verbesserung in Austausch und Zusammenarbeit der Dresdener Kreativen und ein besserer Zugang zu den bestehenden Angeboten für Aussenstehende. Wer spürbar davon profitiert, ist auch bereit dafür zu zahlen. Wofür genau? Für die Vermittlungsleistung, für die Generierung von Aufträgen, für die Verminderung der Transaktionskosten, für ein zusätzliches (relevantes) Informations- und Präsentationsangebot… mit ein bisschen Nachdenken lassen sich sicher noch weitere Ideen finden.
Ideen alleine reichen aber noch nicht aus – es müssen Geschäftsmodelle daraus werden. „Business-Denken“ verursacht zwar bei vielen sozial oder kulturell Engagierten spontane Abwehrreaktionen, „Social Entrepreneurship“ oder „Cultural Entrepreneurship“ zielen aber nicht auf Gewinnerwirtschaftung sondern auf die finanzielle Tragfähigkeit. Und die ist dringend geboten.
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, aus Ideen Geschäftsmodelle zu entwickeln. Beispielsweise ermöglicht die Business Model Canvas, schnell Ideen zu strukturieren und Ansätze zu entwickeln. Auch wenn sie mehr aufs klassische Business ausgerichtet ist, können damit soziale oder kulturelle Unternehmungen durchdacht werden.
Wir müssen weg vom Förderdenken, sobald es sich um gemeinnützige Aktivitäten handelt. Wir müssen hin zu nachhaltig tragfähigen Modellen, die dauerhaften Nutzen stiften. Wenn Sie mehr erfahren wollen, nehmen Sie bitte Kontakt auf.

 

* der Workshop handelte sich explizit um die Verbesserung der Förderungen in Dresden für die Kreativwirtschaft und die Vorschläge sind gut und richtig – aber nicht zu Ende gedacht. Sie stehen beispielhaft für Ideen und Vorschläge, die immer wieder auftauchen.