Mission: Transition

Seit über 2 Jahren gibt es eine Transition Town Gruppe in Dresden (hauptsächlich präsent durch die Website http://dresden-im-wandel.de). Immer mal wieder taucht die Frage nach dem Selbstverständnis, der Haltung und den Zielen dieser Gruppe auf, sowohl von Außenstehenden als auch bei den Mitgliedern untereinander. Als Teil dieser Gruppe möchte ich mich zu dieser Frage und Thematik etwas ausführlicher äußern.

Für mich ist Transition schon mal nichts, was sich in wenige Worte fassen lässt – und das finde ich auch gut so. Es beinhaltet so viele Dimensionen und Bereiche, dass der Versuch einer Definition oder Beschreibung mit wenigen Worten es nur unnötig einengen würde. Verbindendes Element ist der Wandel hin zu einer nachhaltigen und resillienten Lebensweise: lokal, bio, fair, ressourcenschonend, selbstgemacht, ganzheitlich, sozial, achtsam – um ‚Transition‘ mit ein paar Schlagworten zu versehen.

„Die Zukunft ist unter der Diktatur der Gegenwart abhanden gekommen.“ ** S.27

Peak-Oil, Klimawandel oder Wachstumsgrenzen spielen für mich eine eher nebengeordnete Rolle. Wichtiger sind mir die Motivatoren auf der persönlichen Ebene: Selbstverantwortung, Selbstentfaltung, soziales Eingebundensein. Ich bin selbst weder im Gartenbau aktiv, noch handwerklich sonderlich begabt, ich weiß nicht viel über alternative Energieerzeugung und kann weder Ver- noch Gebrauchsgüter selbst herstellen. Mich interessieren Prozesse und Verfahrensweisen – nicht der (persönlichen) Anwendung willen sondern der übertragbaren Muster wegen. Mich interessieren die Intentionen und Motivationen der Menschen, die Wandel aktiv gestalten, und mich treibt die Frage um, wie andere Menschen aktiviert und befähigt werden können, Teil dieses Wandels zu werden. Was braucht es, um die Zukunft selbst zu gestalten? Auf diese Frage suche ich antworten, denn auf Impulse oder gar Weichenstellung von politischer Seite wird die Welt wohl noch lange vergeblich warten.

„Die Konsumchance des Augenblicks ist in einer Welt, die in Zukunft schlechter zu werden droht, äußerst attraktiv.“ ** S.35

Transition ist für mich vor allem eine Quelle von Geschichten und konkreten Möglichkeiten, wie wir – jede* Einzelne für sich – unsere Welt und unsere Zukunft gestalten können und nicht in Ohnmacht versinken ob der gewaltigen Probleme und Herausforderungen. Transition ist ein Portfolio von Aktivitäten, die individuelle Bedürfnisse befriedigen, Erfüllung bieten und Zukunft jenseits der Konsum- und Wachstumsdiktatur lebens- und erstrebenswert machen. Ein Mindset für all die, die keine Befriedigung in den bestehenden Zuständen finden und nach Wegen suchen, sich selbst und der Welt etwas Gutes zu tun.

„Das Leben verläuft im Indikativ und Konjunktive haben die Welt noch nie verändert.“ ** S.5

Transtion ist für mich eine undogmatische und positive Antwort auf die Frage „Was tun?“ – ohne zu missionieren und ohne zu fordern. Transition ist die Kunst, die großen gesellschaftlichen Konjunktive in kleine persönliche Indikative zu verwandeln: innerhalb meiner Interessen und Fähigkeiten Möglichkeiten zu finden mich davon zu befreien, wie ich sein müsste und mich dahin zu verWANDELn, wie ich sein will.

„Fehler lassen sich nicht vermeiden, sie sind Wegmarken auf dem Pfad zu einer besseren Praxis“ ** S.39

Brauchen wir als Transition Town Gruppe ein Selbstverständnis? Sicher, aber kein starres! Unser Selbstverständnis, unsere Haltung und unsere Ziele werden immer wieder neu verhandelt, sonst könnten wir der Dynamik der Bewegung, der Gruppen und der einzelnen Akteure nicht Rechnung tragen. Vor noch nicht allzu langer Zeit habe ich darüber anders gedacht, und ich möchte nicht ausschließen, dass nicht wieder der Zeitpunkt kommt, an dem ich mir wünsche, in einem festen Rahmen konstituiert zu sein. Für den Moment aber meine ich, wir sollten unsere Unvollständigkeit feiern, die Chance nutzen Fehler zu machen, tun, was wir als nützlich, bereichernd oder erfüllend empfinden, dynamisch und wandlungsfähig sein – und uns selbst immer wieder mit einem Augenzwinkern fragen, ob wir gestalten oder nur Gestalten sind.

 

* Männlein, Weiblein und dazwischen
** Harald Welzer in Welzer/Rammler, FUTURZWEI-Zukunftsalmanach 2013 – mit besonderem Dank nach Hannover an Gert Schmidt, der mir dieses Buch nahegebracht und überlassen hat.

— Beitrag überarbeitet am 24.11.2013 —

Was uns gehört! – Reflexionen zum 5. Umundu-Festival

Vom 10. bis 19. Oktober 2013 fand zum fünften Mal das Umundu Festival für global nachhaltigen Konsum in Dresden statt. Der Themenfokus in diesem Jahr waren „Gemeingüter / Commons“. In über 70 Veranstaltungen – Vorträge, Filme, Workshops, Ausstellungen, Aktionen – wurde das Thema von unterschiedlichen Seiten beleuchtet. Das komplette Programm hier als pdf.

Wem gehört der Fisch?

Wie in den letzten Jahren auch, konnte ich leider nur einen ganz kleinen Teil der Veranstaltungen besuchen – und auch wie in den letzten Jahren haben es diese wenigen Veranstaltungen geschafft, mich zu inspirieren, zu motivieren und fühlen zu lassen, dass Bewusstsein für und Wille zu Veränderungen in unserer Gesellschaft wachsen – und wir das wirklich schaffen können!

Herausgeragt hat für mich gleich zu Festivalbeginn der Vortrag von Silke Helfrich „Commons – eine Erzählung für das 21. Jahrhundert“. In 4 lebendigen Geschichten erzählte sie, was Gemeingüter sind, welche Bedeutung sie haben und wie sie geschaffen, bewahrt und im besten Sinne genutzt werden können. Ein freier und lebendiger Vortrag, der nicht wegen des eigentlichen Inhalts sondern aus einem anderen Grund für mich besonders war: Es ging um die Bedeutung von Geschichten. Eingangs sagte sie sinngemäß: „Wir glauben alle an und wir leben alle nach Geschichten. Geschichten darüber, wie unsere Welt funktioniert. Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir Geschichten davon erzählen, wie es anders gehen kann.“

Das Thema „Storytelling“ beschäftigt mich schon eine Weile, aber erst da, in diesem Moment wurde mir die volle Macht und Bedeutung von Geschichten bewusst – und das hatte noch einen anderen Hintergrund: Einige Tage zuvor besuchte ich auf dem ersten Politikfestival in Paretz einen Workshop von Matthias Berg. Auch hier ging es um die Macht von Geschichten, nach welchen Mechanismen sie funktionieren, welchen Mustern sie folgen und welche Kraft sie auf Menschen entfalten. Es war faszinierend zu sehen, wie zum kommunikativen Kern einer Kampagne vorgedrungen wurde und wie aus diesem eine Geschichte erwuchs, die weit mehr transportierte als die rationalen Fakten, Motive und Begründungen, die die Kampagne unterstützenswert machten.

Wem gehört die Luft?

Silke Helfrichs Impuls, wie tief Geschichten unser Leben und unserer Gesellschaft prägen, verbunden mit der Fähigkeit, den Kern einer Neuausrichtung offen zu legen und diesen in eine neue Geschichte zu kleiden, die nicht nur den Kopf sondern die Herzen der Menschen erreicht, lässt die große Hoffnung, dass wir als Gesellschaft lern- und wandlungsfähig sind, in reale – fast greifbare – Nähe rücken.

Das alles hat erstmal nichts mit Gemeingütern zu tun und ich habe auch mehr oder weniger bewusst versucht, mich diesem Thema nicht zu sehr zu nähern. Mich beängstigt so schon, was ich über Luftverschmutzung, Bodenübernutzung, Überfischung, Meeresverschmutzung, Regenwald-Rodung oder Saatgutverordnungen weiß, dass ich vermutlich verrückt werden würde, ob der Sinnlosigkeit des dahinter stehenden Gewinnstrebens und der Hilflosigkeit, mit der mensch dem gegenübersteht. Wohltuend waren da die Utopien eines anderen Lebens, die in der Motorenhalle das Riesa efau gezeigt wurden oder die spürbare Motivation der Workhop-Teilnehmer zu alternativen Konsumkonzepten.

Gemeingüter gehören uns allen und wir können ihren Nutzen – für uns selbst – maximieren, in dem wir sorgsam und verantwortungsvoll damit umgehen. So wie das Umundu-Festival ein Gemeingut ist: von Bürgern initiiert, gestaltet, getragen, für Bürger, um sich zu informieren, inspirieren und motivieren zu lassen, um mitzufeiern und mitzugestalten. Impressionen sind unter anderem auf dem Umundu-flickr-Account zu finden oder in diesem Storify hier.

Wem gehört der Boden?

Ein Riesendank geht an all die Umunder@s, die mit ihrem Engagement und Herzblut dieses Festival wieder möglich gemacht und all die kleinen und großen Hürden gemeistert haben. Ich freue mich jetzt schon auf die Vorbereitungen und das Festival im nächsten Jahr mit Euch!

Nichts Neues!? – Gedanken zum 1. Stadtcamp Dresden

Nichts Neues ist es schon mal, dass ich mich mit der Formulierung eines Resumees zum StadtCamp Dresden schwer tue. Ein Indiz dafür, dass ich ohne konkrete Ergebnisse oder einen vorherrschenden Eindruck herausgegangen bin. Natürlich bin ich im Nachhinein klüger, schon alleine um die Erfahrung und es sind viele Eindrücke geblieben. Da ich schon mehrere Barcamps besucht habe und den Freiraum Elbtal schon eine Weile kenne, war ich nicht ohne Erwartungen. Manche wurde übertroffen, manche Erwartung hat sich erfüllt und manche nicht (was durchaus zu hoffen gewesen war – Dauerregen zum Beispiel). Nichts Neues also.

Als Pauschalfazit wäre es aber deutlich zu kurz gegriffen und würde den beiden Tagen nicht gerecht. Zumal das StadtCamp an sich ja schon etwas Neues war, ein StadtCamp gab es bisher noch nicht. Auch für viele Teilnehmer* wird so manches neu gewesen sein: das erste Barcamp, das erste mal selbst eine Session angeboten oder initiiert, das erste mal im Freiraum Elbtal – und neue Ideen, Aspekte oder Perspektiven aus den Sessions und Gesprächen.

Auch wenn “Stadt” nicht gerade mein Thema ist und ich wenig Substantielles dazu beitragen kann, habe ich als “Stadtmensch” eine Kompetenz als Betroffener, habe Wünsche und Anforderungen an “meine” Stadt, die ich formulieren und mit denen anderer Teilnehmer* in Beziehung setzen konnte. Stadt ist nicht nur der Raum, sondern auch das Dazwischen, die sozialen Verflechtungen der Menschen, die den Raum füllen. Stadt ist ihre Bewegung, ihre Versorgung, ihr Miteinander. Wie können wir Stadt neu denken? Wie wollen wir unsere Stadt im Jahr 2030? Aber auch die aktuellen Themen: Freiraum Elbtal, Bandhaus Reick, Urbane Gärten, uvm.

Themen, die nicht ohne andere Akteure, (Verwaltung, #StaDDrat, Eigentümer), behandelt werden können. Eine Herausforderung liegt darin, in einen Dialog zu gehen und ihre Sichtweisen zu verstehen. Wenn wir glauben Veränderungen ohne oder gar gegen sie bewirken zu können, werden wir es sehr schwer haben. Man konnte nicht davon ausgehen, dass – mit zwei Ausnahmen  Applaus! – Vertreter* anderer Einflussgruppen (Wirtschaft, Tourismus, Verkehr, Verwaltung, Politik) zum StadtCamp finden. Insofern ist es nichts Neues, dass kein interdisziplinärer Dialog möglich war.

Trotz des hervorragend vorgetragenen Manifests, echte Aufbruchstimmung kam bei mir nicht auf. Aber ich habe viel Interesse und den Willen zur Teilhabe und Mitgestaltung gesehen. Wenn sich aus den Sessions und Gesprächen die Erkenntnis herausbildet, dass Vernetzung und Kooperation nicht nur sinnvoll sondern notwendig ist, und dass empathischer Dialog und konstruktiver Diskurs mit allen Einflussgruppen geführt werden muss (auch mit denen, mit denen man persönlich nicht sympathisiert), um Veränderungen im Stadtraum zu bewirken, kann aus diesem StadtCamp viel Neues hervor gehen.

Ich persönlich wünsche mir eine Fortsetzung und damit stehe ich sicher nicht alleine da. Und ich wünsche mir ein breiteres Teilnehmer*feld (wenn wir schon mal beim Wünschen sind) mit mehr Input aus und Diskurs mit den verschiedenen Einflussgruppen. Wir (“Dresden”) können zeigen, dass mit einem offenen Format wie dem Barcamp ein Ideen- und Wissenstransfer möglich ist, der Veränderungsprozesse initiiert oder optimiert, konkrete Projekte anstößt und “die Stadt” mit “den Bürgern” näher zusammenbringt – das wäre dann wirklich etwas Neues.

* Männlein, Weiblein und dazwischen

 

Hier noch mein PresencingStatus

Good:

  • neue Gesichter und viele Erstkontakte mit Barcamp oder Freiraum Elbtal
  • Suuuuuper Organisation!
  • hohe Dynamik und Beteiligungsbereitschaft

Tricky:

  • wenige Einflussgruppen / geringer Wirkkreis
  • Verhältnis Gesprächsrunden zu Input-Sessions (hätte mir mehr Informations- und Wissenstransfer gewünscht)
  • die eigene Session (Samstag, hab ich vergurkt)

Learnings:

  • Meta-Ebene (Was + Wie = Warum) muss trainiert werden
  • Formulieren der eigenen Position schwierig aber wichtig
  • Vernetzung und Netzwerkarbeit “ausbaufähig”

Next Steps:

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dem Blog des Stadtcamp Dresden im Mai 2013. http://www.stadtcamp.de/nichts-neues/223

Es fehlt der Wille und die echte Bereitschaft

Gastkommentar auf Flurfunk Dresden zum Start von Dialog.Sachsen, der Dialogplattform des Freistaates Sachsen.

Die Sächsische Staatsregierung startete am vergangenen Mittwoch eine Plattform für Bürgerdialog. “Feine Sache” oder “Na endlich!” mag sich der eine oder andere engagierte oder interessierte Bürger denken. “Wozu?” oder “Bringt das was?” fragen sich vielleicht Skeptiker. Die meisten Bürger haben es offensichtlich gar nicht wahrgenommen. Aktuell (14.1.2012, 19 Uhr) gibt es 80 Anmeldungen.

Einerseit ist das nicht schlimm, da die Plattform so viele Schwachstellen hat, dass man sie eigentlich besser nicht bekannt machen sollte. Andererseits war es auch nicht zu erwarten, da die Seite ohne begleitende Maßnahmen freigeschaltet wurde. Das Eröffnungsstatement zum ersten Diskussionsthema ist zwar wenig motivierend, wurde aber unbedacht (?/?) mit viel Viralpotential versehen. Der Beteiligung auf der Plattform war es durchaus ein wenig förderlich. Die zwei aktuell vorhandenen Nutzerbeiträge und sechs Kommentare sind aber auch Beleg dafür, dass sich Bürger in die gesellschaftlichen und politischen Debatten einbringen möchten. Auch wenn die potentiellen Teilnehmer an Online-Dialogen noch nicht repräsentativ sind, ist das allgemeine Interesse zu konstruktivem Dialog zu spüren.

Vor ca einem halben Jahr zog SpiegelOnline ein Fazit zu den Bemühungen der Bundesregierung um Online-Dialoge. Gemeinsam war allen, dass diese trotz hoher Budgets nur dann als Erfolg gewertet werden konnten, wenn man die Messlatte nur knapp über die Mattenkante legte. Sie verfügten über vergleichbare Funktionsumfänge wie dialog.sachen, hatten keine Verbindung zu sozialen Netzwerken, stellten ein Gesprächsverhältnis zwischen “den Bürgern” und “der Regierung” her, blieben nebulös über die Verbindlichkeit von Ergebnissen, wurden mal mehr, mal weniger intensiv beworben. Mensch kann annehmen, dass auch den Gestaltern der Sächsischen Plattform diese Ergebnisse bekannt sein konnten. Es stellt sich die Frage, welche Schlüsse gezogen wurden und wie diese in die Umsetzung der Plattform eingeflossen sind.

Es ist ja nicht so, dass es unmögliche wäre, zumindest einige der Schwachstellen zu beheben.

Eine Voraussetzung für breiten und aktiven Dialog ist, dass potentielle Teilnehmer davon erfahren. Um sich zu beteiligen müssen sie wissen, dass Debatten zu für sie relevanten Themen stattfinden – und das am Besten aus dem eigenen Netzwerk statt über eine Pressemeldung. Warum kein facebook/twitter/google+/etc.-Button? Vielleicht lassen das die Sächsischen Datenschutzbestimmungen nicht zu?

Neben der sozialen ist auch die thematische Viralität von großer Bedeutung. Sei es, dass praktische Herausforderungen mit theoretischen Problemen verknüpft sind oder dass Verbindungen zwischen lokalen, regionalen und globalen Themen nachvollzogen werden können. Wo ist die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Statements zu verlinken? Verinselte Debatten kommen zu keinem befriedigenden Ergebnis und Einzelproblemlösungen haben oft nur noch größere Probleme nach sich gezogen.

Differenzierte Meinungsbilder, die beide Seiten einer Medaille gleichberechtigt beleuchten, oder ein möglichst eingriffsfreier Diskussionsprozess sind Anforderungen, die eine Diskussionssoftware u.a. erfüllen sollte. Aber es wurde keine Diskussionsoftware verwendet, sondern lediglich ein Forum. Übersichtlichkeit und Lösungorientierung sind wesentliche weitere Anforderungen, die nur unzureichend berücksichtigt wurden.

Warum werden die Bürger aufgefordert, auf mäßig konkrete bis sehr allgemeine und in der Regel vorgegebene Themen ihre Ansichten darzulegen, ohne dass von Regierungsseite direkt am Dialog teilgenommen wird? Warum legt die Regierungsseite nicht mal vor? Und warum werden überhaupt diese beiden Seiten so etabliert?

Wie wäre es, wenn Regierungs- und Verwaltungsvertreter gleichberechtigt am Dialog teilnehmen und GEMEINSAM nach Lösungen gesucht wird, anstatt diese Eingabe-Mentalität weiter aufrecht zu erhalten? Dann würde es vielleicht auch eine reale Chance auf praktikable und umsetzungsfähige Ergebnisse geben. Und die Menschen würden Vertrauen fassen, dass ihre Meinung und ihr Engagement tatsächlich Einfluss auf ihr Umfeld haben. Ob das von politischer Seite wirklich gewollt ist, sei an dieser Stelle dahingestellt.

Es gibt ausreichend Überlegungen und Ansätze, welche Anforderungen Bürgerdialoge im Internet erfüllen müssen und wie diese gestaltet werden können. Mit Dialog.Sachsen hat sich die Sächsische Regierung mit Mutlosigkeit oder Nachzüglerei geschmückt. Daran ändern auch auch Youtube-Videos nichts. Was fehlt ist der Wille und die echte Bereitschaft. Die Erkenntnis, dass Dialog mit den Bürgern nicht nur “irgendwie gemacht werden muss”, sondern Quelle für gute Ideen und Weg zu politischer Handlungsfähigkeit einer Regierung ist, scheint noch in weiter Ferne.

Immerhin, ein erster Versuch ist gemacht. Vielleicht kann darauf aufgebaut werden.

Dieser Beitrag wurde am 15.01.2012 veröffentlicht und erscheint hier als crosspost
http://www.flurfunk-dresden.de/2012/01/15/gastkommentar-zu-dialog-sachsen-es-fehlt-der-wille-und-die-echte-bereitschaft/

Bridging the Gap – Worauf es bei Kooperation und Kollaboration ankommt

Als ich für die 11. Socialbar Dresden gebeten wurde, einen Impulsvortrag zu halten, der vermittelt, worum es bei den evoluzzern eigentlich geht, wer die Antwort spontan recht einfach: Wir wollen Interessierte und Engagierte für einen gesellschaftlichen Wandel zusammenbringen, Verbindungen und Zusammenhänge aufzeigen, Informationen verbreiten und Wissen austauschen. Also sagte ich – leichtfertig, wie sich später zeigte – zu.

Die Kernaussage, war noch recht schnell gefunden und formuliert: Wir wollen Brücken bauen, um Gräben zu überwinden. Doch damit ging die eigentliche Problematik los. Wenn wir nur genau genug hinschauen, finden wir Gräben überall, in unserem näheren und weiteren Umfeld, in unserer Gesellschaft, in unserer Kultur, zwischen den verschiedenen Kulturen und auch – oder sogar besonders – in uns selbst. Das Thema wurde plötzlich so komplex und vielschichtig, dass ich es nicht schaffte, es in einem 15minütigen Vortrag ausreichend fassbar zu machen und schon gar nicht, die Wege aufzuzeigen, wie diese Gräben überwunden werden können.

Die verwendeten Slides (modifiziert im Oktober 2013, da Bildnachweise/-quellen nicht mehr nachvollziehbar waren) setzen nur Schlaglichter auf Ansätze und Aspekte, die, jeder für sich, einen abendfüllenden Vortrag hergeben würden, ohne ganz durchdrungen zu werden. Doch denke ich, dass der Versuch einer vielseitigen Betrachtung es wert ist, festgehalten zu werden, auch wenn er naturgemäß nicht alles erfassen kann.

Wie schon angemerkt, sind die Gräben vielschichtig und in nahezu jeder Dimension unserer Existenz zu finden, um jedoch die bestehenden Umstände (Multi-Crisis-Dilemma) überwinden zu können, müssen wir Wege und Methoden finden, wie wir gemeinsame Visonen und Ziele schaffen und echte Zusammenarbeit erreichen.

Zu verstehen, aus welchen Standpunkten und Perspektiven ein Gegenüber handelt und argumentiert, ist dafür genau so wichtig wie das Erkennen der jeweiligen Ziele und Absichten. Zudem spielen die ökonomischen Faktoren eine wesentliche Rolle. Angefangen beim verfügbaren Zeit- und Aufmerksamkeitskontingent über die jeweiligen momentanen Prioritäten bis hin zur Vermittlung von möglichen Mehrwerten gibt es viele Gründe, die für Zusammenarbeit sprechen, diese aber zum aktuellen Zeitpunkt verhindern. Diese doch zu erreich ist nur möglich, wenn die eigene Position klar ist und formuliert werden kann, daher sind Selbsterkenntnis und achtsame Kommunikation unabdingbar.

Das Wissen über die eigenen Ziele und Wünsche vorausgesetzt, ist die Kongruenz in der Perspektive auf ein Thema für einen befruchtenden Austausch Voraussetzung. Blickt jemand mit einer inneren individuellen Sicht auf ein Thema, wird es keine gemeinsame Basis geben, wenn die eigene Perspektive gesellschaftliche Normen oder Werte im Blick hat. Vergleichbares gilt beim Finden einer gemeinsamen ökonomischen Basis. Ist mensch selbst oder das Gegenüber vorrangig an der Verbreitung der eigenen Themen, Thesen oder Lösungen interessiert, wird der Aufbau einer Beziehung oder der Austausch von Leistungen nur dann gelingen, wenn den Inhalten eine adäquate Aufmerksamkeit entgegengebracht wird.

So wichtig wie der Mehrwert für die Ziele und Intensionen ist das Äquivalent für die „investierte“ Zeit, sprich, die Antwort auf die Frage: Was habe ich persönlich davon? Geld ist zwar die offensichtlichste, glücklicherweise aber nicht die einzige, Währung. Ein Zuwachs an Wissens, die Inanspruchnahme von Fähigkeiten oder eine Steigerung der eigenen Reputation können als alternative Währungen gesehen werden, die einen vergleichbaren Charakter haben bzw. sich zumindest innerhalb eines subjektiven Bezugsrahmens in Geldwerte umrechnen lassen. Die Herausforderung liegt darin, den Wert und die Währung zu finden und zu vermitteln, die in den gemeinsamen Zielen und einer möglichen Kooperation liegen.

Ob eine solche Zustande kommt, hängt auch stark davon ab, welche Prioritäten gerade gesetzt werden. Ist Sinn/Nutzen/Wert einer Zusammenarbeit, sprich: das Problem, was damit gelöst werden kann, von hoher Wichtigkeit und Dringlichkeit, ist auch die Wahrscheinlichkeit für ihr Zustandekommen sehr hoch. Ist die Kooperation zwar sinnvoll, drängen aber andere Probleme oder Aufgaben mehr, werden auch keine oder nur wenig Zeit und Energie investiert. Nach gleichem Muster kann und sollte mensch auch selbst vorgehen: Kooperationen, die zwar sinnvoll erscheinen aber weder die wichtigen noch die dringenden Aspekte adressieren, sollten besser hinten angestellt werden. Was letztlich nicht heißt, dass es nicht doch dazu kommen kann oder wird – nur eben nicht zum aktuellen Zeitpunkt.

Kommt es schließlich zur Zusammenarbeit, rücken die beteiligten Persönlichkeiten verstärkt in den Vordergrund. Neben dem Wissen über das eigene Persönlichkeitsmuster sind Einordnungen aller beteiligten Menschen förderlich. Einerseits, um eine Ausgewogenheit zu erreichen und von den Stärken aller Quadranten/Rollen/Eigenschaften zu profitieren, andererseits, um in Entscheidungs- und Lösungsfindungsprozessen die individuellen Haltungen, Argumtentation oder Handlungen einordnen zu können.

Der Weg hin zu Kooperation und Kollaboration ist sicher nicht einfach und schon gar nicht geradlinig aber er ist lohnenswert und notwendig, um die Energien für gesellschaftliche Veränderungen zu bündeln. Viele Aspekte wurden hier nicht berücksichtigt, zum Beispiel fehlen die verschiedenen Ebenen der Kommunikation oder wie sich gemeinsame Ziele oder konkrete Wege der Zusammenarbeit finden lassen. Ich hoffe jedoch trotzdem einen Impuls gesetzt zu haben, der das Verständnis für und den Umgang miteinander fördert.

Unternehmerisches Denken

Im Sommer 2011 war ich in Vilnius zu einem Social Business Workshop im Rahmen einer AIESEC-Konferenz „Business 4 good“ eingeladen. Das ganze kam eher zufällig zu Stande aber ich nutzte die Gelegenheit um zum einen die Stadt kennen zu lernen, zum anderen, um meine Erlebnisse und Erfahrungen der zurückliegenden beiden Jahre zu reflektieren.

Eigentlich wollte ich über echo.to sprechen, nach Menschen suchen, die die Plattform nutzen und mit Leben füllen, wollte die Idee verbreiten. In den Tagen vorher, die ich zum Teil im HUB Vilnius verbrachte, sah ich, wie jung, lebendig und dynamisch die Startup-Szene da ist – und wie idealistisch und blauäugig (mir fällt kein passenderes Wort ein für den Enthusiasmus und die Verträumtheit). Ich beschloss, meinen geplanten Vortrag über den Haufen zu werfen und stattdessen pragmatische Regeln für unternehmerisches Denken vorzustellen und zu diskutieren. Nicht jeder* kann der neue Steve Jobs oder Mark Zuckerberg werden – aber es muss auch nicht „the next big thing“ sein, um erfolgreich und erfüllt unternehmerisch tätig zu werden.

Die Regeln kurz erläutert:

Es geht nicht um die Geschichten erfolgreicher Unternehmer, sondern die Muster dahinter. Die Biografie von Richard Branson oder Steve Jobs verrät wenig darüber, was sie erfolgreich gemacht hat. Erst im Vergleich und der Suche nach Gemeinsamkeiten ergeben sich die Muster, die etwas über Erfolg verraten. (Eigensinnigkeit zum Beispiel ;o))

Es geht nicht darum, die Zukunft vorher zu sagen, sondern die kommenden Entwicklungen zu antizipieren. Vorhersagen werden größtenteils scheitern, Flexibilität zu wahren, um auf Entwicklungen schnell reagieren zu können, ist die Kunst und das Gebot.

Es geht nicht ums Reichwerden, sondern um Leidenschaft. Wer etwas aus Gewinn- oder Erfolgsstreben macht, wird über kurz oder lang scheitern. Langfristigen Erfolg haben nur die, die ihre Leidenschaften und Überzeugungen ausleben. Denn sie sind gegen Rückschläge wesentlich resistenter (und treffen bessere Entscheidungen). Finde deine Leidenschaften, dass, was dich ausfüllt und setze nicht auf das, wovon du dir (schnellen) Reichtum versprichst!

Es geht nicht um Kunden, sondern um Unterstützer. Gerade am Anfang kommt es darauf an, Menschen zu finden, die die eigenen Ideen unterstützen. Kunden wollen ein funktionierendes Produkt, Unterstützer wollen helfen, Ideen zu verwirklichen und in die Welt zu bringen. Wer nach Kunden sucht und in Kundengruppen denkt, wird auch nur Kunden finden – und diese gerade anfangs nicht zufriedenstellen können. Finde die Menschen, die dir helfen können, nicht die, die (potentiell) bereit sind, für deine Leistung zu zahlen!

Es geht nicht um Gewinn sondern um Mehrwert. Wer zu viel darüber nachdenkt, wie und wie viel Geld verdient werden kann, wird nicht erfolgreich sein. Das Hauptaugenmerk sollte darauf liegen, was der Kunde oder Nutzer davon hat und wie dieser Mehrwert so weit wie möglich gesteigert werden kann. Geld verdient wird erst, wenn das Produkt oder die Dienstleistung angenommen wird.

Es geht nicht darum, eine brillante Idee zu haben, sondern ein starkes und funktionierendes Geschäftsmodell. Gute Ideen kann jeder haben und brillante Ideen gibt es wie Sand an Meer. Wenn diese nicht in funktionierende und tragfähige Geschäftsmodelle „übersetzt“ werden, nützen sie gar nichts. Nur ein Bruchteil der Startups schafft es bis zur Finanzierung und nur ein kleiner davon etabliert sich. Alle Faktoren müssen stimmen, nicht nur die Idee.

Es geht nicht ums verkaufen, sondern um das Lösen von Problemen. Aus der Vielzahl der Unternehmen und Geschäftsideen werden sich nur diese durchsetzen, die ein echtes Problem lösen. Bevor sich Gedanken über Kommunikation, Markteintritt, Vertrieb und Einnahmemodelle gemacht wird, steht die Frage im Vordergrund: Welches Problem löse ich? Und löse ich es wirklich? Ist das Problem nicht drängend genug oder wird es nicht umfassend gelöst, werden alle anderen Überlegungen hinfällig.

Es geht nicht darum, einzigartig zu sein sondern darum, den Wettbewerb zu kennen. Natürlich ist der USP ein wesentliches und wichtiges Element. Aber ohne Kenntnis und Analyse der Wettbewerber wird dies nicht gelingen. Wer löst das Problem noch? Auf welche Weise? Wo sind die Schwachstellen und der Verbesserungsbedarf? Nicht immer ist anders wirklich besser.

Es geht nicht darum ein Geheimnis zu bewahren sondern darum, Feedback zu erhalten. Verschwiegenheit kann wichtig sein, aber ohne Feedback zu den eigenen Ideen und Ansätzen gibt es keine qualifizierte Überprüfung und Weiterentwicklung. Statt still und heimlich im eigenen Kämmerlein zu brüten, ist es wichtig, nach draußen zu gehen und sich Meinungen und Ansichten einzuholen. Besser die eigenen Idee verwerfen und neue Ideen zu suchen als mit viel Zeit, Geld und Energie etwas zu schaffen, was nicht angenommen wird. Und keine Angst vor Ideenklau – es gibt sie wie Sand am Meer und kaum jemand wird Ressourcen in eine Idee stecken, die er nicht selbst hatte.

Es geht nicht darum, zu scheitern oder nicht, es geht darum, zurück zu kommen. Scheitern ist vorprogrammiert, ist gut und ist wichtig. Denn aus Fehlern lernt man viel mehr als aus Erfolgen. Jeder scheitert – wer es bis jetzt noch nicht getan hat, wird es später tun. Wichtig ist, daraus zu lernen, nicht aufzugeben, weiter zu machen, es erneut zu versuchen.

Es geht nicht darum fertig zu werden, es geht darum zu verbessern. Es wird kein Stadium geben, in dem ein Unternehmen oder Produkt wirklich fertig oder abgeschlossen ist. Es gibt immer etwas zu verbessern, anzupassen, weiterzuentwickeln. Daher sollte nicht das Ziel sein, erstmal alles fertig zu haben, bevor aus an den Markt gebracht wird.

Es geht nicht darum zu zahlen oder nicht, es geht darum in welcher Währung. Ob Produkte oder Dienstleistungen – nichts ist kostenlos. Auch wenn kein Geld dafür fließt, wird dafür bezahlt. Mit Aufmerksamkeit oder Information, mit Daten, Wissen oder Reputation. Zu wissen, in welcher Währung man selbst bezahlt wird oder selbst zahlen kann bzw. muss, hilft bei der Definition von Geschäftsmodellen und dabei, herauszufinden, ob Geschäfte attraktiv oder unattraktiv sind. Wer nur auf Geld fokussiert, schränkt sich selber ein.

Und die letzte und vielleicht wichtigste Regel:
Dinge entwickeln sich immer langsamer als man erwartet aber Umstände ändern sich schneller als man denkt!

 

Toni Testbeitrag

Die ab hier folgenden Beiträge wurden aus dem nettberaten-Blog importiert, der einst bei posterous gehostet war – um die Trennung nachvollziehbar zu machen, gibt es einen Ausflug in die Welt der Sportes, der Sprache und der Emotionen.

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Ist klar diese Wörter?

Es gibt im Moment in diese Mannschaft, oh, einige Spieler vergessen ihnen Profi was sie sind. Ich lese nicht sehr viele Zeitungen, aber ich habe gehört viele Situationen. Erstens: wir haben nicht offensiv gespielt. Es gibt keine deutsche Mannschaft spielt offensiv und die Name offensiv wie Bayern. Letzte Spiel hatten wir in Platz drei Spitzen: Elber, Jancka und dann Zickler. Wir müssen nicht vergessen Zickler. Zickler ist eine Spitzen mehr, Mehmet eh mehr Basler. Ist klar diese Wörter, ist möglich verstehen, was ich hab gesagt? Danke.

schwach wie Flasche leer

Offensiv, offensiv ist wie machen wir in Platz. Zweitens: ich habe erklärt mit diese zwei Spieler: nach Dortmund brauchen vielleicht Halbzeit Pause. Ich habe auch andere Mannschaften gesehen in Europa nach diese Mittwoch. Ich habe gesehen auch zwei Tage die Training. Ein Trainer ist nicht ein Idiot! Ein Trainer sei sehen was passieren in Platz. In diese Spiel es waren zwei, drei diese Spieler waren schwach wie eine Flasche leer! Haben Sie gesehen Mittwoch, welche Mannschaft hat gespielt Mittwoch? Hat gespielt Mehmet oder gespielt Basler oder hat gespielt Trapattoni? Diese Spieler beklagen mehr als sie spielen! Wissen Sie, warum die Italienmannschaften kaufen nicht diese Spieler? Weil wir haben gesehen viele Male solche Spiel!

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Was erlauben Strunz?

Haben gesagt sind nicht Spieler für die italienisch Meisters! Strunz! Strunz ist zwei Jahre hier, hat gespielt 10 Spiele, ist immer verletzt! Was erlauben Strunz? Letzte Jahre Meister Geworden mit Hamann, eh, Nerlinger. Diese Spieler waren Spieler! Waren Meister geworden! Ist immer verletzt! Hat gespielt 25 Spiele in diese Mannschaft in diese Verein. Muß respektieren die andere Kollegen! haben viel nette kollegen! Stellen Sie die Kollegen die Frage! Haben keine Mut an Worten, aber ich weiß, was denken über diese Spieler. Mussen zeigen jetzt, ich will, Samstag, diese Spieler müssen zeigen mich, seine Fans, müssen alleine die Spiel gewinnen. Muß allein die Spiel gewinnen! Ich bin müde jetzt Vater diese Spieler, eh der Verteidiger diese Spieler. Ich habe immer die Schuld über diese Spieler. Einer ist Mario, einer andere ist Mehmet! Strunz ich spreche nicht, hat gespielt nur 25 Prozent der Spiel. Ich habe fertig! …wenn es gab Fragen, ich kann Worte wiederholen…

stARTcamp Dresden – Dankeschön und auf Wiedersehen!!

Besser spät als gar nicht kommt hier meine Nachlese zum ersten stARTcamp Dresden am letzten Wochende: Schön wars und vor allem informativ!

Zunächst geht ein großer Dank an Steffen Peschel für die Initiative und Organisation sowie an Frank Tentler und Christian Hennerfehr für ihr persönliches Engagement, das diese Veranstaltung erst möglich gemacht hat. Als Organisationspartner freue ich mich natürlich um so mehr, dass alles gut über die Bühne ging und hoffe, dass alle Anwesenden neben vielen Informationen, neuen Kontakten und Impulsen einen guten Eindruck mitgenommen haben.´

Wie es sich für eine Veranstaltungspremiere gehöhrt, lief natürlich nicht alles optimal, so dass es – neben all den positiven Rückmeldungen – einen weiteren Ansporn gibt, im nächsten Jahr wieder ein stARTcamp stattfinden zu lassen. Schließlich lernt man am Besten aus Fehlern und Feedback … und aus dem Machen. Und das ist beim Umgang mit Social Media auch nicht anders.

Was ich mitgenommen habe: Es war eine gute Entscheidung, kein reines Barcamp zu veranstalten. Einige Teilnehmer nahmen zum ersten Mal an einem etwas offeneren Konferenz-Format teil. Ein bisschen mehr Informationen über das Barcamp-Format und etwas mehr Programm-Freiraum zur Eröffnung hätte es aber doch sein können. Die Spontan-Session der Städtischen Bibliotheken Dresden war dann – für mich – auch eine der spannensten, weil an einem realen Beispiel konkreter Informationsbedarf bestand und dadurch die Frage „Wie baue ich eine Social Media Präsenz auf?“ beleuchtet wurde.

Bemerkenswert auch, dass die Session von Bernhard Kelz zu den rechtlichen Aspekten bei der Nutzung von Social Media ein reges Interesse mit vielen konkreten Fragen hervorbrachte. Leider lief meine Session parallel, so dass ich selbst nicht dabei sein konnte. Aber vielleicht kann man dazu ein erstes stARTtogether in Dresden machen? Ich würde mich freuen und weitere Interessenten können sich dazu gerne bei mir melden.

Was mir bei meiner Session wieder aufgefallen ist: Entrepreneurship im sozialen und kulturellen Bereich erfordert einen Perspektivwechsel der für viele Vereine und Organisationen nicht einfach nachzuvollziehen ist. Die eine Sicht ist, wen man mit seiner sozialen oder kulturellen Arbeit erreichen will, die andere Sicht ist, wer davon profitiert oder zumindest daran partizipiert. Grundsätzlich sollte sich aber immer die Frage gestellt werden, mit wem man wie kooperieren kann, um gemeinsam mehr zu erreichen!

Und so schließt sich auch der Kreis zum stARTcamp: Das Social Web funktioniert nicht mit Konkurrenzdenken. Der Mehrwert entsteht aus der Vernetzung. In diesem Sinne, bis nächstes Jahr zum stARTcamp’12 in Dresden.

Entrepreneurship zur Finanzierung kultureller und sozialer Arbeit – Socialbar Dresden

Gestern abend fand die 8. Socialbar Dresden statt. Neben Optimierung von Websitetexten und Transition Town Dresden war ich mit dem Thema „Weg vom Förderdenken“ vertreten. Die Präsentation dazu ist auch auf slideshare.net/nettberaten verfügbar.

Weg vom Förderdenken

Die Socialbar wurde dieses Mal auf Video aufgezeichnet. Sobald es online verfübar ist, gebe ich hier auf dem Blog bescheid.

Der entkoppelte Bürger oder die Diktatur der Uninteressierten.

Gestern (26.01.) wurde durch eine Schwarz-Gelbe Mehrheitsentscheidung der „18. Sachverständige“ aus der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ ausgeschlossen. Nun wird sich so mancher fragen: „Wer wurde da von was ausgeschlossen?“ Und der ein oder andere wird zum ersten Mal mitbekommen, dass es einen Sachverständigenrat des Bundestages gibt, der sich damit befasst, welche Auswirkungen die Entwicklungen im WWW auf die Gesellschaft haben. Noch kurz erläutert sei, dass der „18. Sachverständige“ die Bürger sind, die sich erstmals über eine Online-Plattform (adhocracy) in die Diskussionen und Empfehlungen der Kommission einbringen (hätten) können (sollen).

Nun ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass es doch nicht dazu kommen wird. Der geneigte Beobachter des Polittheaters konnte sich schon denken, dass die Ausführung dieses Vorhabens weit hinter den Möglichkeiten zurückbleiben wird. Dass es aber gänzlich gekippt wurde, hat sicher den ein oder anderen überrascht. Vor allem die angeführten Gründe dafür zeugen von der Kreativlosigkeit „unserer“ Politiker und der geringen Bedeutung, die sie der digitalen Zukunft unserer Gesellschaft und dem damit verbundenen öffentlichen Interesse beimessen. Neben der Frage nach der Beteiligung waren es vor allem die Bedenken, ob Facebook-Nutzer und Twitterer überhaupt in der Lage sind, lange Texte zu erfassen und sich mit komplexen Sachverhalten auseinander zu setzen. Zudem schienen die 80.000 €, die Einsatz und Betrieb der Plattform kosten würde, nicht gerechtfertigt.  [Quelle: http://manuelhoeferlin.wordpress.com/2011/01/26/der-18-sachverstandige-lebt/]

Dass die Verachtung für die Bevölkerung und die Ignoranz gegenüber der Realität, die einem aus dieser Begründung entgegen schlägt noch die geschönte Variante ist, mag man erstmal nicht glauben. Doch auf netzpolitik.org wird die Financial Times Deutschland folgendermaßen zitiert: „Hinter vorgehaltener Hand gesteht man bei der Union aber auch ein, dass das neue Verfahren einen unwillkommenen Präzedenzfall geschaffen hätte. „Das könnte langfristig als Argument genutzt werden, die repräsentative Demokratie auszuhebeln“, hieß es in der Fraktion. Außerdem würde es die Würde des Parlaments beschädigen, wenn sich „irgendwelche Netzchaoten“ auf den Seiten des Bundestages ausgetobt hätten. Außerdem nütze Stimmungsmache im Internet meist nicht den konservativen Parteien.“

Unnötig, darüber auch noch ein weiteres Wort zu verlieren. Unnötig auch deshalb, weil es (so ziemlich) kein Schw… interessiert. Warum auch? Politik ist fernab jeder Nachvollziehbarkeit und Verständlichkeit – und besser man macht sich keine großen Gedanken darüber. Das wurde über all die Jahre großartig konditioniert. Selbst als mit Auftauchen und Wachsen des Internets die Tür zu direkter Demokratie aufgestoßen wurde, änderte sich nicht viel daran. Das Social Web? Social in der Freizeit, social beim Shoppen und die Wirtschaft erkannte sehr schnell, welch enormes Potential darin steckt. Ein riesiges Informationskarussell, das auf seine ganz eigene Art Veränderungs- und Wandlungsprozesse hervorbringt, alte (Wirtschafts-)Strukturen aufbricht und neue ausbildet.

Die Politik blieb davon bisher (weitestgehend) unberührt. Einmal in 4 Jahren wählen, die PR-Maschine anwerfen, sagen, was man sagen muss und ansonsten sich schön bedeckt halten. Harte Zeiten, Leistung muss sich lohnen, der Sparkurs ist alternativlos und Wachstum hilft. Sie glauben es doch selbst nicht … aber wir! Verfolgen wir, was sich da tut? Fragen wir nach? Fordern wir Antworten? Interessiert es uns überhaupt?

Was da auf der Berliner Politbühne aufgeführt wird ist keine leichte Unterhaltung und keine große Kunst. Die Darsteller sind furchtbar untalentiert und oft auch nicht schön anzusehen. Was sie da aber spielen, ist ein Stück, in dem wir alle mitspielen. Was da „abgemacht“ wird, beeinflusst unser Leben unmittelbar. Und wir stehen da, schauen desinteressiert ab und an mal hin, als ginge es uns nichts an und lassen sie machen.

Mit der Entscheidung, den ersten Versuch einer direkten Bürgerbeteiligung ergebnis- und ersatzlos abzublasen, wurde der Zugang der Bürger (wir!) zu politischen Entscheidungen geschlossen, bevor die Bürger (wir!) diesen tatsächlich nutzen. Wenn wir das jetzt so hinnehmen und nicht darauf drängen diesen Zugang zu erhalten, werden wir uns noch eine ganze Weile dieses glanzlose Trauerspiel betrachten müssen. Das kann keiner wirklich wollen.

— Update 31.01. —

Auf dem Blog von echo.to wird in einem offenen Brief wesentlich sachlicher auf die Kriterien und Notwendigkeiten erfolgreicher Bürgerbeteiligung eingegangen. U.a. heißt es da:

„Die „glokalen“ ökologischen, ökonomischen und sozialen Herausforderungen unserer Zivilisation brauchen die kollektive Intelligenz aller Menschen – mit ihren verschiedenen Erfahrungen, Kompetenzen und Lebensumständen. Keine Person oder politische Elite kann diese Situation im Interesse der Allgemeinheit alleine bewältigen …“

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