Archiv der Kategorie: Stadt

Mach was aus Nichts!

zuerst erschienen auf http://artsblogdresden.de

Ich brauchte eine Weile, um die Eindrücke der 4. Informed Cities Konferenz zu verarbeiten. Ich möchte mich zunächst bei all denen bedanken, die mit ihren Händen und Herzen dieses Erlebnis möglich gemacht haben. Für Berichte und Informationen gibt es ausreichend Quellen – z.B. über die Suche oder auf Twitter unter #infcities. Ich möchte lieber auf einen spezifischen Aspekt einer „Informierten Stadt“ hinaus: Der Fähigkeit all ihre Einwohner mit dem Nötigsten zu versorgen.

an english version of this post can be found here.

Weiterlesen

Transit-Ion

„Ionen bilden sich aus Atomen, wenn diese Elektronen abgeben oder aufnehmen. Obwohl die Trennung von Ladungen einen Energieaufwand verursacht, können die gebildeten Ionen energetisch günstig sein, wenn sie besonders stabile Konfigurationen haben,…“
http://de.wikipedia.org/wiki/Ion

Vom 03. bis 05. Oktober 2014 fand in Zierenberg nahe Kassel die (Un)Konferenz und das Netzwerktreffen der Transition Initiativen in D/A/CH statt. Die Tage im Zentrum Helfensteine waren eine intensive Erfahrung für mich. Möglich wurden sie durch finanzielle Unterstützung von Aktiven aus dem Transition Town Netzwerk Dresden. Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal herzlich bei all jenen bedanken, die dies möglich gemacht haben. Nicht nur das vollgepackte Programm, sondern vor allem die Begegnungen und Denkanstöße hinterlassen einen nachhaltigen Eindruck bei mir, drehten sie sich doch vor allem um das eigene Erleben und den inneren Wandel.

„Ionen bilden sich aus Atomen, wenn diese Elektronen abgeben oder aufnehmen.“

Die Atmosphäre auf dem Treffen als „offen“ zu bezeichnen, würde ihr nicht gerecht werden. Gerade in den Workshops war ein (ab)geben und (auf)nehmen zu spüren, das weit über die Offenheit hinaus geht, die sich Unternehmenskulturen gern anheften. Der ganzheitliche Ansatz der Transition-Bewegung („Mit Kopf, Herz und Hand“) war gerade darin zu spüren, dass das oftmals zu wenig berücksichtigte „Herz“ angesprochen wurde. Dem eigenen Erleben und Umgang damit wurde viel Raum gegeben. Dieses (Ab)Geben eigener Erfahrungen und (Auf)Nehmen der Erfahrungen der Anderen bereichert und verändert Perspektiven. Es setzt Impulse frei, die nach Innen oder Außen wirken können.

„Obwohl die Trennung von Ladungen einen Energieaufwand verursacht, …“

Es kostet Energie und Bedarf einer entsprechenden Einstellung, um solche Impulse aufnehmen oder abgeben zu können. Kritik und Geschichten vom Scheitern sind oftmals schmerzhaft und lösen den Reflex aus, die inneren Schutzmauern hochzufahren. Diesem Reflex zu widerstehen, das eigene Scheitern einzugestehen und die Verletzung zuzulassen ist jedoch Voraussetzung, um die Kritik und die Erfahrung wertschätzen zu können. Strebe ich nur nach vorn, bin ich nicht gewillt innezuhalten, zu reflektieren und zu würdigen. Um auch mit dem Herzen dabei zu sein, ist dies aber notwendig. Um uns wirklich begegnen zu können, müssen wir uns verletzbar machen. (Danke Frieder Krups für diesen Satz!)

Wollen wir selbst Impulse für eine nachhaltige Entwicklung setzen, müssen wir über uns selbst und „aus dem Herzen“ sprechen. Nur so können wir beim Gegenüber ein Koheränzgefühl erzeugen und „Kopf, Herz und Hand“ erreichen. In der Salutogenese wird Gesundheit nicht als Zustand, sondern als Prozess verstanden. Um Vertrauen in den Transition-Prozess hin zu einer „gesunden Gesellschaft“ zu erzeugen, gilt es zu vermitteln, dass a) die uns umgebenden Zustände und Prozesse verstehbar sind, b) wir über die Mittel und Möglichkeiten verfügen, diese zu ändern und die damit verbundenen Herausforderungen zu bewältigen und dass c) die dafür benötigte Energie sinnvoll eingesetzt ist und der Aufwand sich bezahlt macht.

„…, können die gebildeten Ionen energetisch günstig sein, wenn sie besonders stabile Konfigurationen haben, …“

Als Transition-Aktive oder Wandel-Engagierte stehen wir oft vor dem Problem, dass wir jeweils nur die erreichen, die ohnehin schon „wandel-infiziert“ sind, aber das ist weniger problematisch, als es uns manchmal erscheint. In der Transition Town Bewegung geht es nicht ums missionieren, sondern darum, positive Ansätze zu bieten, praktische Angebote zu machen und Geschichten vom Wandel zu erzählen. Immer mehr Menschen finden sich in lokalen Initiativen zusammen, lernen voneinander, begegnen sich und bauen soziale Kontakte auf. Mit dem Transition Netzwerk e.V. als Dachorganisation im Deutschprachigen Raum und dem internationalen Transition Network sind Strukturen vorhanden, die die Bewegung stabilisieren und den Austausch fördern.

Für unsere innere Transition müssen wir Ionen vom Kopf zum Herzen und vom Herzen zum Kopf schicken, um mit unseren Händen den Wandel zu gestalten. Wir müssen uns unsere eigene Machtlosigkeit und Unzulänglichkeit genauso eingestehen, wie wir auf unsere Fähigkeit vertrauen müssen, die Welt grundlegend zu verändern. Es liegt in uns und zwischen uns – aber niemals außerhalb. Wir brauchen keine neuen politischen Regeln oder eine neue gesellschaftliche Ordnung dafür, wir müssen es einfach jetzt machen!

Eine Zusammenfassung zu den besuchten Veranstaltungen gibt es auf der Seite der Transition Town Dresden Gruppe unter http://www.dresden-im-wandel.de/beitrag/persoenlicher-bericht-vom-tti-dach-netzwerktreffen-und-unkonferenz-vom-03-05102014

Nichts Neues!? – Gedanken zum 1. Stadtcamp Dresden

Nichts Neues ist es schon mal, dass ich mich mit der Formulierung eines Resumees zum StadtCamp Dresden schwer tue. Ein Indiz dafür, dass ich ohne konkrete Ergebnisse oder einen vorherrschenden Eindruck herausgegangen bin. Natürlich bin ich im Nachhinein klüger, schon alleine um die Erfahrung und es sind viele Eindrücke geblieben. Da ich schon mehrere Barcamps besucht habe und den Freiraum Elbtal schon eine Weile kenne, war ich nicht ohne Erwartungen. Manche wurde übertroffen, manche Erwartung hat sich erfüllt und manche nicht (was durchaus zu hoffen gewesen war – Dauerregen zum Beispiel). Nichts Neues also.

Als Pauschalfazit wäre es aber deutlich zu kurz gegriffen und würde den beiden Tagen nicht gerecht. Zumal das StadtCamp an sich ja schon etwas Neues war, ein StadtCamp gab es bisher noch nicht. Auch für viele Teilnehmer* wird so manches neu gewesen sein: das erste Barcamp, das erste mal selbst eine Session angeboten oder initiiert, das erste mal im Freiraum Elbtal – und neue Ideen, Aspekte oder Perspektiven aus den Sessions und Gesprächen.

Auch wenn “Stadt” nicht gerade mein Thema ist und ich wenig Substantielles dazu beitragen kann, habe ich als “Stadtmensch” eine Kompetenz als Betroffener, habe Wünsche und Anforderungen an “meine” Stadt, die ich formulieren und mit denen anderer Teilnehmer* in Beziehung setzen konnte. Stadt ist nicht nur der Raum, sondern auch das Dazwischen, die sozialen Verflechtungen der Menschen, die den Raum füllen. Stadt ist ihre Bewegung, ihre Versorgung, ihr Miteinander. Wie können wir Stadt neu denken? Wie wollen wir unsere Stadt im Jahr 2030? Aber auch die aktuellen Themen: Freiraum Elbtal, Bandhaus Reick, Urbane Gärten, uvm.

Themen, die nicht ohne andere Akteure, (Verwaltung, #StaDDrat, Eigentümer), behandelt werden können. Eine Herausforderung liegt darin, in einen Dialog zu gehen und ihre Sichtweisen zu verstehen. Wenn wir glauben Veränderungen ohne oder gar gegen sie bewirken zu können, werden wir es sehr schwer haben. Man konnte nicht davon ausgehen, dass – mit zwei Ausnahmen  Applaus! – Vertreter* anderer Einflussgruppen (Wirtschaft, Tourismus, Verkehr, Verwaltung, Politik) zum StadtCamp finden. Insofern ist es nichts Neues, dass kein interdisziplinärer Dialog möglich war.

Trotz des hervorragend vorgetragenen Manifests, echte Aufbruchstimmung kam bei mir nicht auf. Aber ich habe viel Interesse und den Willen zur Teilhabe und Mitgestaltung gesehen. Wenn sich aus den Sessions und Gesprächen die Erkenntnis herausbildet, dass Vernetzung und Kooperation nicht nur sinnvoll sondern notwendig ist, und dass empathischer Dialog und konstruktiver Diskurs mit allen Einflussgruppen geführt werden muss (auch mit denen, mit denen man persönlich nicht sympathisiert), um Veränderungen im Stadtraum zu bewirken, kann aus diesem StadtCamp viel Neues hervor gehen.

Ich persönlich wünsche mir eine Fortsetzung und damit stehe ich sicher nicht alleine da. Und ich wünsche mir ein breiteres Teilnehmer*feld (wenn wir schon mal beim Wünschen sind) mit mehr Input aus und Diskurs mit den verschiedenen Einflussgruppen. Wir (“Dresden”) können zeigen, dass mit einem offenen Format wie dem Barcamp ein Ideen- und Wissenstransfer möglich ist, der Veränderungsprozesse initiiert oder optimiert, konkrete Projekte anstößt und “die Stadt” mit “den Bürgern” näher zusammenbringt – das wäre dann wirklich etwas Neues.

* Männlein, Weiblein und dazwischen

 

Hier noch mein PresencingStatus

Good:

  • neue Gesichter und viele Erstkontakte mit Barcamp oder Freiraum Elbtal
  • Suuuuuper Organisation!
  • hohe Dynamik und Beteiligungsbereitschaft

Tricky:

  • wenige Einflussgruppen / geringer Wirkkreis
  • Verhältnis Gesprächsrunden zu Input-Sessions (hätte mir mehr Informations- und Wissenstransfer gewünscht)
  • die eigene Session (Samstag, hab ich vergurkt)

Learnings:

  • Meta-Ebene (Was + Wie = Warum) muss trainiert werden
  • Formulieren der eigenen Position schwierig aber wichtig
  • Vernetzung und Netzwerkarbeit “ausbaufähig”

Next Steps:

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dem Blog des Stadtcamp Dresden im Mai 2013. http://www.stadtcamp.de/nichts-neues/223