Archiv für den Monat: Juli 2013

Bridging the Gap – Worauf es bei Kooperation und Kollaboration ankommt

Als ich für die 11. Socialbar Dresden gebeten wurde, einen Impulsvortrag zu halten, der vermittelt, worum es bei den evoluzzern eigentlich geht, wer die Antwort spontan recht einfach: Wir wollen Interessierte und Engagierte für einen gesellschaftlichen Wandel zusammenbringen, Verbindungen und Zusammenhänge aufzeigen, Informationen verbreiten und Wissen austauschen. Also sagte ich – leichtfertig, wie sich später zeigte – zu.

Die Kernaussage, war noch recht schnell gefunden und formuliert: Wir wollen Brücken bauen, um Gräben zu überwinden. Doch damit ging die eigentliche Problematik los. Wenn wir nur genau genug hinschauen, finden wir Gräben überall, in unserem näheren und weiteren Umfeld, in unserer Gesellschaft, in unserer Kultur, zwischen den verschiedenen Kulturen und auch – oder sogar besonders – in uns selbst. Das Thema wurde plötzlich so komplex und vielschichtig, dass ich es nicht schaffte, es in einem 15minütigen Vortrag ausreichend fassbar zu machen und schon gar nicht, die Wege aufzuzeigen, wie diese Gräben überwunden werden können.

Die verwendeten Slides (modifiziert im Oktober 2013, da Bildnachweise/-quellen nicht mehr nachvollziehbar waren) setzen nur Schlaglichter auf Ansätze und Aspekte, die, jeder für sich, einen abendfüllenden Vortrag hergeben würden, ohne ganz durchdrungen zu werden. Doch denke ich, dass der Versuch einer vielseitigen Betrachtung es wert ist, festgehalten zu werden, auch wenn er naturgemäß nicht alles erfassen kann.

Wie schon angemerkt, sind die Gräben vielschichtig und in nahezu jeder Dimension unserer Existenz zu finden, um jedoch die bestehenden Umstände (Multi-Crisis-Dilemma) überwinden zu können, müssen wir Wege und Methoden finden, wie wir gemeinsame Visonen und Ziele schaffen und echte Zusammenarbeit erreichen.

Zu verstehen, aus welchen Standpunkten und Perspektiven ein Gegenüber handelt und argumentiert, ist dafür genau so wichtig wie das Erkennen der jeweiligen Ziele und Absichten. Zudem spielen die ökonomischen Faktoren eine wesentliche Rolle. Angefangen beim verfügbaren Zeit- und Aufmerksamkeitskontingent über die jeweiligen momentanen Prioritäten bis hin zur Vermittlung von möglichen Mehrwerten gibt es viele Gründe, die für Zusammenarbeit sprechen, diese aber zum aktuellen Zeitpunkt verhindern. Diese doch zu erreich ist nur möglich, wenn die eigene Position klar ist und formuliert werden kann, daher sind Selbsterkenntnis und achtsame Kommunikation unabdingbar.

Das Wissen über die eigenen Ziele und Wünsche vorausgesetzt, ist die Kongruenz in der Perspektive auf ein Thema für einen befruchtenden Austausch Voraussetzung. Blickt jemand mit einer inneren individuellen Sicht auf ein Thema, wird es keine gemeinsame Basis geben, wenn die eigene Perspektive gesellschaftliche Normen oder Werte im Blick hat. Vergleichbares gilt beim Finden einer gemeinsamen ökonomischen Basis. Ist mensch selbst oder das Gegenüber vorrangig an der Verbreitung der eigenen Themen, Thesen oder Lösungen interessiert, wird der Aufbau einer Beziehung oder der Austausch von Leistungen nur dann gelingen, wenn den Inhalten eine adäquate Aufmerksamkeit entgegengebracht wird.

So wichtig wie der Mehrwert für die Ziele und Intensionen ist das Äquivalent für die „investierte“ Zeit, sprich, die Antwort auf die Frage: Was habe ich persönlich davon? Geld ist zwar die offensichtlichste, glücklicherweise aber nicht die einzige, Währung. Ein Zuwachs an Wissens, die Inanspruchnahme von Fähigkeiten oder eine Steigerung der eigenen Reputation können als alternative Währungen gesehen werden, die einen vergleichbaren Charakter haben bzw. sich zumindest innerhalb eines subjektiven Bezugsrahmens in Geldwerte umrechnen lassen. Die Herausforderung liegt darin, den Wert und die Währung zu finden und zu vermitteln, die in den gemeinsamen Zielen und einer möglichen Kooperation liegen.

Ob eine solche Zustande kommt, hängt auch stark davon ab, welche Prioritäten gerade gesetzt werden. Ist Sinn/Nutzen/Wert einer Zusammenarbeit, sprich: das Problem, was damit gelöst werden kann, von hoher Wichtigkeit und Dringlichkeit, ist auch die Wahrscheinlichkeit für ihr Zustandekommen sehr hoch. Ist die Kooperation zwar sinnvoll, drängen aber andere Probleme oder Aufgaben mehr, werden auch keine oder nur wenig Zeit und Energie investiert. Nach gleichem Muster kann und sollte mensch auch selbst vorgehen: Kooperationen, die zwar sinnvoll erscheinen aber weder die wichtigen noch die dringenden Aspekte adressieren, sollten besser hinten angestellt werden. Was letztlich nicht heißt, dass es nicht doch dazu kommen kann oder wird – nur eben nicht zum aktuellen Zeitpunkt.

Kommt es schließlich zur Zusammenarbeit, rücken die beteiligten Persönlichkeiten verstärkt in den Vordergrund. Neben dem Wissen über das eigene Persönlichkeitsmuster sind Einordnungen aller beteiligten Menschen förderlich. Einerseits, um eine Ausgewogenheit zu erreichen und von den Stärken aller Quadranten/Rollen/Eigenschaften zu profitieren, andererseits, um in Entscheidungs- und Lösungsfindungsprozessen die individuellen Haltungen, Argumtentation oder Handlungen einordnen zu können.

Der Weg hin zu Kooperation und Kollaboration ist sicher nicht einfach und schon gar nicht geradlinig aber er ist lohnenswert und notwendig, um die Energien für gesellschaftliche Veränderungen zu bündeln. Viele Aspekte wurden hier nicht berücksichtigt, zum Beispiel fehlen die verschiedenen Ebenen der Kommunikation oder wie sich gemeinsame Ziele oder konkrete Wege der Zusammenarbeit finden lassen. Ich hoffe jedoch trotzdem einen Impuls gesetzt zu haben, der das Verständnis für und den Umgang miteinander fördert.

Unternehmerisches Denken

Im Sommer 2011 war ich in Vilnius zu einem Social Business Workshop im Rahmen einer AIESEC-Konferenz „Business 4 good“ eingeladen. Das ganze kam eher zufällig zu Stande aber ich nutzte die Gelegenheit um zum einen die Stadt kennen zu lernen, zum anderen, um meine Erlebnisse und Erfahrungen der zurückliegenden beiden Jahre zu reflektieren.

Eigentlich wollte ich über echo.to sprechen, nach Menschen suchen, die die Plattform nutzen und mit Leben füllen, wollte die Idee verbreiten. In den Tagen vorher, die ich zum Teil im HUB Vilnius verbrachte, sah ich, wie jung, lebendig und dynamisch die Startup-Szene da ist – und wie idealistisch und blauäugig (mir fällt kein passenderes Wort ein für den Enthusiasmus und die Verträumtheit). Ich beschloss, meinen geplanten Vortrag über den Haufen zu werfen und stattdessen pragmatische Regeln für unternehmerisches Denken vorzustellen und zu diskutieren. Nicht jeder* kann der neue Steve Jobs oder Mark Zuckerberg werden – aber es muss auch nicht „the next big thing“ sein, um erfolgreich und erfüllt unternehmerisch tätig zu werden.

Die Regeln kurz erläutert:

Es geht nicht um die Geschichten erfolgreicher Unternehmer, sondern die Muster dahinter. Die Biografie von Richard Branson oder Steve Jobs verrät wenig darüber, was sie erfolgreich gemacht hat. Erst im Vergleich und der Suche nach Gemeinsamkeiten ergeben sich die Muster, die etwas über Erfolg verraten. (Eigensinnigkeit zum Beispiel ;o))

Es geht nicht darum, die Zukunft vorher zu sagen, sondern die kommenden Entwicklungen zu antizipieren. Vorhersagen werden größtenteils scheitern, Flexibilität zu wahren, um auf Entwicklungen schnell reagieren zu können, ist die Kunst und das Gebot.

Es geht nicht ums Reichwerden, sondern um Leidenschaft. Wer etwas aus Gewinn- oder Erfolgsstreben macht, wird über kurz oder lang scheitern. Langfristigen Erfolg haben nur die, die ihre Leidenschaften und Überzeugungen ausleben. Denn sie sind gegen Rückschläge wesentlich resistenter (und treffen bessere Entscheidungen). Finde deine Leidenschaften, dass, was dich ausfüllt und setze nicht auf das, wovon du dir (schnellen) Reichtum versprichst!

Es geht nicht um Kunden, sondern um Unterstützer. Gerade am Anfang kommt es darauf an, Menschen zu finden, die die eigenen Ideen unterstützen. Kunden wollen ein funktionierendes Produkt, Unterstützer wollen helfen, Ideen zu verwirklichen und in die Welt zu bringen. Wer nach Kunden sucht und in Kundengruppen denkt, wird auch nur Kunden finden – und diese gerade anfangs nicht zufriedenstellen können. Finde die Menschen, die dir helfen können, nicht die, die (potentiell) bereit sind, für deine Leistung zu zahlen!

Es geht nicht um Gewinn sondern um Mehrwert. Wer zu viel darüber nachdenkt, wie und wie viel Geld verdient werden kann, wird nicht erfolgreich sein. Das Hauptaugenmerk sollte darauf liegen, was der Kunde oder Nutzer davon hat und wie dieser Mehrwert so weit wie möglich gesteigert werden kann. Geld verdient wird erst, wenn das Produkt oder die Dienstleistung angenommen wird.

Es geht nicht darum, eine brillante Idee zu haben, sondern ein starkes und funktionierendes Geschäftsmodell. Gute Ideen kann jeder haben und brillante Ideen gibt es wie Sand an Meer. Wenn diese nicht in funktionierende und tragfähige Geschäftsmodelle „übersetzt“ werden, nützen sie gar nichts. Nur ein Bruchteil der Startups schafft es bis zur Finanzierung und nur ein kleiner davon etabliert sich. Alle Faktoren müssen stimmen, nicht nur die Idee.

Es geht nicht ums verkaufen, sondern um das Lösen von Problemen. Aus der Vielzahl der Unternehmen und Geschäftsideen werden sich nur diese durchsetzen, die ein echtes Problem lösen. Bevor sich Gedanken über Kommunikation, Markteintritt, Vertrieb und Einnahmemodelle gemacht wird, steht die Frage im Vordergrund: Welches Problem löse ich? Und löse ich es wirklich? Ist das Problem nicht drängend genug oder wird es nicht umfassend gelöst, werden alle anderen Überlegungen hinfällig.

Es geht nicht darum, einzigartig zu sein sondern darum, den Wettbewerb zu kennen. Natürlich ist der USP ein wesentliches und wichtiges Element. Aber ohne Kenntnis und Analyse der Wettbewerber wird dies nicht gelingen. Wer löst das Problem noch? Auf welche Weise? Wo sind die Schwachstellen und der Verbesserungsbedarf? Nicht immer ist anders wirklich besser.

Es geht nicht darum ein Geheimnis zu bewahren sondern darum, Feedback zu erhalten. Verschwiegenheit kann wichtig sein, aber ohne Feedback zu den eigenen Ideen und Ansätzen gibt es keine qualifizierte Überprüfung und Weiterentwicklung. Statt still und heimlich im eigenen Kämmerlein zu brüten, ist es wichtig, nach draußen zu gehen und sich Meinungen und Ansichten einzuholen. Besser die eigenen Idee verwerfen und neue Ideen zu suchen als mit viel Zeit, Geld und Energie etwas zu schaffen, was nicht angenommen wird. Und keine Angst vor Ideenklau – es gibt sie wie Sand am Meer und kaum jemand wird Ressourcen in eine Idee stecken, die er nicht selbst hatte.

Es geht nicht darum, zu scheitern oder nicht, es geht darum, zurück zu kommen. Scheitern ist vorprogrammiert, ist gut und ist wichtig. Denn aus Fehlern lernt man viel mehr als aus Erfolgen. Jeder scheitert – wer es bis jetzt noch nicht getan hat, wird es später tun. Wichtig ist, daraus zu lernen, nicht aufzugeben, weiter zu machen, es erneut zu versuchen.

Es geht nicht darum fertig zu werden, es geht darum zu verbessern. Es wird kein Stadium geben, in dem ein Unternehmen oder Produkt wirklich fertig oder abgeschlossen ist. Es gibt immer etwas zu verbessern, anzupassen, weiterzuentwickeln. Daher sollte nicht das Ziel sein, erstmal alles fertig zu haben, bevor aus an den Markt gebracht wird.

Es geht nicht darum zu zahlen oder nicht, es geht darum in welcher Währung. Ob Produkte oder Dienstleistungen – nichts ist kostenlos. Auch wenn kein Geld dafür fließt, wird dafür bezahlt. Mit Aufmerksamkeit oder Information, mit Daten, Wissen oder Reputation. Zu wissen, in welcher Währung man selbst bezahlt wird oder selbst zahlen kann bzw. muss, hilft bei der Definition von Geschäftsmodellen und dabei, herauszufinden, ob Geschäfte attraktiv oder unattraktiv sind. Wer nur auf Geld fokussiert, schränkt sich selber ein.

Und die letzte und vielleicht wichtigste Regel:
Dinge entwickeln sich immer langsamer als man erwartet aber Umstände ändern sich schneller als man denkt!