Archiv für den Monat: Januar 2011

Der entkoppelte Bürger oder die Diktatur der Uninteressierten.

Gestern (26.01.) wurde durch eine Schwarz-Gelbe Mehrheitsentscheidung der „18. Sachverständige“ aus der Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ ausgeschlossen. Nun wird sich so mancher fragen: „Wer wurde da von was ausgeschlossen?“ Und der ein oder andere wird zum ersten Mal mitbekommen, dass es einen Sachverständigenrat des Bundestages gibt, der sich damit befasst, welche Auswirkungen die Entwicklungen im WWW auf die Gesellschaft haben. Noch kurz erläutert sei, dass der „18. Sachverständige“ die Bürger sind, die sich erstmals über eine Online-Plattform (adhocracy) in die Diskussionen und Empfehlungen der Kommission einbringen (hätten) können (sollen).

Nun ist es eigentlich nicht verwunderlich, dass es doch nicht dazu kommen wird. Der geneigte Beobachter des Polittheaters konnte sich schon denken, dass die Ausführung dieses Vorhabens weit hinter den Möglichkeiten zurückbleiben wird. Dass es aber gänzlich gekippt wurde, hat sicher den ein oder anderen überrascht. Vor allem die angeführten Gründe dafür zeugen von der Kreativlosigkeit „unserer“ Politiker und der geringen Bedeutung, die sie der digitalen Zukunft unserer Gesellschaft und dem damit verbundenen öffentlichen Interesse beimessen. Neben der Frage nach der Beteiligung waren es vor allem die Bedenken, ob Facebook-Nutzer und Twitterer überhaupt in der Lage sind, lange Texte zu erfassen und sich mit komplexen Sachverhalten auseinander zu setzen. Zudem schienen die 80.000 €, die Einsatz und Betrieb der Plattform kosten würde, nicht gerechtfertigt.  [Quelle: http://manuelhoeferlin.wordpress.com/2011/01/26/der-18-sachverstandige-lebt/]

Dass die Verachtung für die Bevölkerung und die Ignoranz gegenüber der Realität, die einem aus dieser Begründung entgegen schlägt noch die geschönte Variante ist, mag man erstmal nicht glauben. Doch auf netzpolitik.org wird die Financial Times Deutschland folgendermaßen zitiert: „Hinter vorgehaltener Hand gesteht man bei der Union aber auch ein, dass das neue Verfahren einen unwillkommenen Präzedenzfall geschaffen hätte. „Das könnte langfristig als Argument genutzt werden, die repräsentative Demokratie auszuhebeln“, hieß es in der Fraktion. Außerdem würde es die Würde des Parlaments beschädigen, wenn sich „irgendwelche Netzchaoten“ auf den Seiten des Bundestages ausgetobt hätten. Außerdem nütze Stimmungsmache im Internet meist nicht den konservativen Parteien.“

Unnötig, darüber auch noch ein weiteres Wort zu verlieren. Unnötig auch deshalb, weil es (so ziemlich) kein Schw… interessiert. Warum auch? Politik ist fernab jeder Nachvollziehbarkeit und Verständlichkeit – und besser man macht sich keine großen Gedanken darüber. Das wurde über all die Jahre großartig konditioniert. Selbst als mit Auftauchen und Wachsen des Internets die Tür zu direkter Demokratie aufgestoßen wurde, änderte sich nicht viel daran. Das Social Web? Social in der Freizeit, social beim Shoppen und die Wirtschaft erkannte sehr schnell, welch enormes Potential darin steckt. Ein riesiges Informationskarussell, das auf seine ganz eigene Art Veränderungs- und Wandlungsprozesse hervorbringt, alte (Wirtschafts-)Strukturen aufbricht und neue ausbildet.

Die Politik blieb davon bisher (weitestgehend) unberührt. Einmal in 4 Jahren wählen, die PR-Maschine anwerfen, sagen, was man sagen muss und ansonsten sich schön bedeckt halten. Harte Zeiten, Leistung muss sich lohnen, der Sparkurs ist alternativlos und Wachstum hilft. Sie glauben es doch selbst nicht … aber wir! Verfolgen wir, was sich da tut? Fragen wir nach? Fordern wir Antworten? Interessiert es uns überhaupt?

Was da auf der Berliner Politbühne aufgeführt wird ist keine leichte Unterhaltung und keine große Kunst. Die Darsteller sind furchtbar untalentiert und oft auch nicht schön anzusehen. Was sie da aber spielen, ist ein Stück, in dem wir alle mitspielen. Was da „abgemacht“ wird, beeinflusst unser Leben unmittelbar. Und wir stehen da, schauen desinteressiert ab und an mal hin, als ginge es uns nichts an und lassen sie machen.

Mit der Entscheidung, den ersten Versuch einer direkten Bürgerbeteiligung ergebnis- und ersatzlos abzublasen, wurde der Zugang der Bürger (wir!) zu politischen Entscheidungen geschlossen, bevor die Bürger (wir!) diesen tatsächlich nutzen. Wenn wir das jetzt so hinnehmen und nicht darauf drängen diesen Zugang zu erhalten, werden wir uns noch eine ganze Weile dieses glanzlose Trauerspiel betrachten müssen. Das kann keiner wirklich wollen.

— Update 31.01. —

Auf dem Blog von echo.to wird in einem offenen Brief wesentlich sachlicher auf die Kriterien und Notwendigkeiten erfolgreicher Bürgerbeteiligung eingegangen. U.a. heißt es da:

„Die „glokalen“ ökologischen, ökonomischen und sozialen Herausforderungen unserer Zivilisation brauchen die kollektive Intelligenz aller Menschen – mit ihren verschiedenen Erfahrungen, Kompetenzen und Lebensumständen. Keine Person oder politische Elite kann diese Situation im Interesse der Allgemeinheit alleine bewältigen …“

http://blog.echo.to/wp-trackback.php?p=718

Friendraising statt Fundraising – Eindrücke vom Fundraising2.0Camp in Berlin

Am 21.01.2011 fand in Berlin zum zweiten Mal das Fundraising2.0Camp statt. Weitere Infos dazu gibt es auf der Mixxt-Community-Seite, der Facebook-Seite und unter dem Twitter-Hashtag #frc20. Da jede Session dokumentiert wurde, wird es sicher auch eine Aufbereitung geben. Ich möchte mich daher auf meine Eindrücke und Gedanken konzentrieren.

„Friendraising statt Fundraising“ war für mich die zentrale Aussage. Neben den „üblichen Verdächtigen“ – Sessions zu Social Media, Online-Fundraising, Facebook-Nutzung etc. – kam auch immer wieder das Thema durch, was gutes Fundraising abseits der Tools und Kits denn ausmacht und welche Auswirkungen die Veränderungen in der Mediennutzung und im Kommunikationsverhalten auf die Fundraising-Arbeit haben.

„In erster Linie geht es darum Beziehungen aufzubauen.“ war immer wieder zu hören. Darum ging es mit Sicherheit auch schon in der Vor-Web2.0-Zeit aber durch die neuen Kommunikationsmöglichkeiten eröffnen sich neue Wege. Wie diese beschritten werden können, ist für viele noch nicht klar gewesen. Auch das „erst die Menschen, dann die Spenden“ kommen, folgt diesem Tenor und tatsächlich merkte man vielen an, dass ihnen der Inhalt ihrer Tätigkeit – der Zweck, für den sie Fundraising betreiben – wirklich am Herzen liegt und sie diesen mit Leidenschaft vermitteln.

Um so überraschter war ich, dass in der letzten Session das Thema Werte und Inhalte kritisch und mit Verve auf den Tisch geknallt wurde.
(Die Session wurde von Jörn Georg aus Hamburg gehalten, würde gern auf ihn verlinken, …) 

In drei provokanten Thesen wurde die versammelte Fundraiserschaft mit ihrem Tun konfrontiert:

„Systemisch Wirken statt systematisch Arbeiten“ – nicht Strukturen etablieren sondern temporäre Initiativen fördern
„Echte Werte statt falsches Geld“ – nicht Gelder und Kontakte sammeln sondern (Wissen, Informationen, Aufgaben etc.) teilen, mitteilen und verteilen.
„Einlasswandel statt Ablasshandel“ – echte Beziehungen aufbauen, mehr „fordern“ als nur Geld, Aktivitäten und Engagement fördern

Mit diesen Thesen konfrontiert, setzte bei einigen der Rechtfertigungsreflex ein und fast alle waren „gekitzelt“ Stellung zu beziehen. Rege und teils vehemente Wortmeldungen folgten … für mich die mit Abstand beste Session des Tages.

Die Kritik wurde durchaus positiv und konstruktiv aufgenommen. Das kalkulierte „Abschöpfen“ gerade älterer Menschen zur Weihnachtszeit kam genauso zur Sprache wie der Unwille mancher Organisation, Freiwillige in ihre Arbeit zu integrieren oder die Notwendigkeit zu Hinterfragen, aus welcher Quelle so manche Spende kommt. Andererseits ist es beispielsweise schwierig, das freiwillige Engagement hier, Projekten in Entwicklungsländern zu Gute kommen zu lassen. Geld lässt sich wesentlich leichter transferieren. Auch muss der Aufwand für die Koordination der Freiwilligen bewältigt werden. Fachwissen wird wesentlich häufiger benötigt, als die „helfende Hand“.

Zwei Dinge habe ich für mich aus dieser Session mitgenommen: Man sollte ruhig mal provozieren und polarisieren, damit bekommt man richtig gute und engagiert geführte Diskussionen losgetreten aus denen sich auch die Beteiligten wirklich etwas ziehen können. Und Fundraiser kämpfen ein bisschen mit ihrem Bild und Selbstverständnis, was der Satz „Man muss sich als Fundraiser nicht dafür schämen, Geld einzusammeln.“ sehr schön impliziert. Dazu passend auch die (eigentlich rhetorische) Frage, die in dieser Session aufgeworfen wurde: „Wenn du als Fundraiser feststellst, dass eine andere Organisation deinen Kampagnenzweck besser umsetzt, würdest du ihr das Geld geben?“

Das bringt mich auch zu dem, was mir insgesamt bei diesem Fundraising2.0Camp gefehlt hat: Die nachhaltige finanzielle Tragfähigkeit von Projekten. Es wurde zwar über den Aufbau und die Notwendigkeit nachhaltiger Beziehungen zu den Spendern/Unterstützern gesprochen. Wie sich aber Projekte so gestalten lassen, dass das Fundingvolumen verringert wird oder wie diese über längere Sicht finanziell unabhängig werden können, war kein Thema. Dabei würden Social Entrepreneurship Modelle einige Probleme lösen, mit denen Fundraiser konfrontiert sind, wie Argumente für potentielle Spender oder Erfolgsmessung und -kontrolle. Vor allem aber setzen sie Mittel frei, die in andere Projekte fließen können. Vielleicht war und ist das FundraisingCamp – wie mir mitgeteilt wurde – nicht der richtige Rahmen, ich werde es als Session-Idee für das nächste Jahr aber im Hinterkopf behalten.

20. NPO-Blogparade: Crowdsourcing und Crowdfunding für Non Profit Organisationen

Auf dem Kulturmarketingblog läuft noch bis 05.02.2011 eine Blogparade zum Thema „Crowdsourcing und Crowdfunding – Nutzen, Chancen und Risiken für den Non Profit Bereich“. Da ich mich selbst intensiv mit diesem Thema beschäftige, möche ich meine 2 Cent auch dazu beisteuern. Der Link zum Artikel, der auch Infos dazu enthält, was eine Blogparade ist und auf einige Beiträge zum Thema Crowdsourcing und Crowdfunding verlinkt:
http://kulturmarketingblog.de/20-npo-blogparade-crowdsourcing-und-crowdfunding-fur-non-profit-organisationen/311

Gerade im Non Profit Bereich kommt es darauf an, viele Menschen zu erreichen, zu begeistern und zu involvieren. Und es kommt darauf an, die „richtigen“ Mittel und Wege zu finden, um die adressierten Probleme zu lösen und die Arbeit daran nachhaltig erfolgreich zu gestalten. Ideen-Crowdsourcing bietet dafür einen entscheidenden Vorteil: Es erfolgt keine Kompetenz-Selektion der Teilnehmer. Jeder, der sich berufen oder motiviert fühlt, kann sich daran beteiligen. Neue, andere, unerwartete Lösungsvorschläge können auftreten, interdisziplinäre Verknüpfungen können entstehen – Serendipität wird befördert.

Das alles geht nicht und nützt auch wenig ohne die entsprechende Organisation. Sowohl auf technischer Ebene als auch in der Kommunikation müssen die Strukturen vorhanden sein und Maßnahmen durchgeführt werden, um die Dynamik der „Crowd“ aufzufangen, in die gewünschten Bahnen zu lenken und natürlich einen möglichst großen Teilnehmerkreis zu erreichen. Aber auch innerhalb der NPO müssen die Rahmenbedingungen stimmen. Fehlende Verwertungsfähigkeit der Inputs und Ergebnisse oder mangelnde Bereitschaft, unerwartete Ergebnisse aufzunehmen, lassen Crowdsourcing-Effekte verpuffen.

Crowdsourcing als Auslagerung von Arbeitsschritten oder -prozessen stellt wiederum andere Anforderungen. In erster Linie geht es darum, die anstehende Arbeit so zu zerlegen, dass einzelne, auslagerbare und durchführbare Arbeitspakete entstehen, denen sich tatsächlich angenommen wird und die im gewünschten Ergebnis münden. Vorteil dabei ist, dass die Teilnehmer ein Stück des Projektes übernehmen und damit Bindung und Identifikation aufbauen. Für NPO ein wesentlicher Aspekt im Community-Management.

Den „Vorwurf“ der Ausbeutung durch Crowdsourcing halte ich für konstruiert. Einerseits steht es Jedem frei, sich zu beteiligen andererseits entscheiden die Motivationsmechanismen über Teilnahme und Engagement. Die Gefahr des Ideenklau besteht grundsätzlich, stellt aber mE. eine Herausforderung für die Organisation und Konzeption dar. Wenn kritische Informationen preisgegeben werden müssen, um erfolgreich sein zu können, stimmt etwas mit der Ausgestaltung nicht und wird sicher negative Effekte auf die Teilnahmebereitschaft haben.

Crowdfunding ist im deutschprachigen Raum noch eine sehr junge Form der Finanzierung gemeinnütziger Tätigkeit. Wobei das wohlbekannte Spendensammeln ja eigentlich auch Crowdfunding ist. Im Gegensatz zum klassischen Spendensammeln kommt es beim Crowdfunding darauf an, eine Gegenleistung zu erbringen. Das wiederum stellt neue Anforderungen an die Organisationsarbeit und das Verständnis dahinter. Social Entrepreneurship liegt an der Schnittstelle zwischen gemeinnütziger Tätigkeit und unternehmerischer Herangehensweise und schlägt die Brücke vom Spendensammeln zum Crowdfunding.

Mit den Möglichkeiten des Internet und der sozialen Medien konnte erst die „Crowd“ erschlossen werden. Dahinter steckt mehr als eine Ausweitung der Kommunikationsmöglichkeiten durch technologische Entwicklungen. Was stattfindet ist ein Kulturwandel, der sicher nicht innerhalb der nächsten zwei Jahre abgeschlossen ist. Crowdsourcing und Crowdfunding stehen erst am Anfang und werden sich in den nächsten Jahren zu wesentlichen Bestandteilen gesellschaftlicher Arbeit und gesellschaftlichen Engagements entwickeln. Nicht nur dass öffentliche Gelder immer weniger den Bedarf decken können, es steckt auch ein grundlegend demokratisches Element darin, das die Bürgergesellschaft weiter fordert und durch durch die Bürgergesellschaft befördert wird.

 

Tatsächlich: Social Media lohnt sich

In einer Studie mit über 3.000 Unternehmen fand McKinsey heraus, dass sich der Einsatz von Social Media in Unternehmen tatsächlich lohnt. Für den Großteil der befragten Unternehmen zwar nur in geringem Maß, für einige Unternehmen jedoch signifikant. Auffallend, dass die Unternehmen, die Social Media intensiv einsetzen, in verschiedene Unternehmensbereiche integrieren und mehrere Medien nutzen, die größten Vorteile daraus ziehen. Wesentliche Vorteile der Social Media Nutzung sind

  • schnellerer Zugang zu Informationen
  • sinkende Kommunikationskosten
  • effektiveres Marketing
  • zufriedenere Kunden und Lieferanten

Diese Vorteile entfalten sich vor allem bei den Unternehmen, die sich sowohl intern als auch extern vernetzen. Interne Firmen-Wikis & Kompetenzprofile verbessern und beschleunigen die Kommunikation über Abteilungs- und Hierarchiegrenzen hinweg und  steigern die operativen Margen. Die gemeinsame Nutzung dieser Instrumente mit Partnern & Lieferanten verbessert und effektiviert die Prozesse der Zusammenarbeit. Der Grad der externen Vernetzung und die Vertiefung der Beziehungen zum Kunden beeinflusst die harten Kennzahlen wie Marktanteil und Betriebsgewinn positiv. Eine ausführlichere Beschreibung der Studie inkl. einiger Charts gibt es auf den F.A.Z.Blogs beim Netzökonom http://faz-community.faz.net/blogs/netzkonom/archive/2011/01/18/social-media-lohnt-sich-fuer-unternehmen.aspx

Was für „PO“ (Profit Organisations) gut ist, kann für „NPO“ (Non-Profit-Organisations) nicht schlecht sein. Zumindest nicht, wenn es sich um Kommunikation, Information und den Aufbau von Beziehungen zu Unterstützern und Adressaten handelt. Welche Kraft die „sozialen Medien“ entfalten können, wenn es um soziales Engagement geht, zeigt sich gerade bei @manomama mit ihrem Aufruf für Elke & ihre Familie: http://www.manomama.de/blog/2011/01/18/hilfe-fur-elke-familie-mamapowers/ Innerhalb von drei Stunden kamen über 1.000 € zusammen … and counting. Ohne ihr hohes Maß an Vernetzung und die intensive Beziehung zu ihren Kunden, wäre dieses Ergebnis sicher nicht denkbar.

Die Vorteile der Social Media Nutzung gelten sowohl für Unternehmen als auch für Vereine und Organisationen. Und auch die Herausforderungen bei der Einführung und dem Einsatz ähneln sich: Abbau von Hierarchien, Flexibilisierung von Prozessen, Integration ins Tagesgeschäft … Es braucht Lernbereitschaft und den Willen zu Veränderungen. 

5 Fundraisingtrends für gemeinnützige Organisationen in 2011

Immer zum Jahreswechsel schießen die Prognosen und Trends für das kommende Jahr aus dem Boden. Angeregt durch einen Link bei fundraising2.0 habe ich mir die Punkte rausgesucht, die imho im Fundraising und der Arbeit gemeinnütziger Organisationen die Trends des vor uns liegenden Jahres sein werden. Gut gelegen kam mir dabei auch der „Was geschah 2010 im sozialen Sektor?“ auf dem Blog des betterplace-lab. Die Trends sind subjektiv und sicher nicht vollständig. Weitere Trends oder Meinungen dazu können gern als Kommentar hinterlassen werden.

  1. Online-Fundraising wird immer bedeutender
    Bisher hat nur ein kleiner Teil der gemeinnützigen Organisationen Online-Fundraising erfolgreich eingesetzt oder es zumindest ernsthaft versucht. Während face-to-face Fundraising immer unpopulärer wird, führt mit der steigenden Anzahl an Spenden- und Kampagnen-Plattformen sowie der wachsenden Aufmerksamkeit auf diesem Bereich, fast kein Weg mehr daran vorbei. Neben den deutlich geringeren Kosten gegenüber Direktmailings, fallen Online-Spenden signifikant höher aus („Spendenmarkt Deutschland“). Hinzu kommen Skaleneffekte und die direkte Verbindung mit den Unterstützern über die sozialen Medien.
  2. Soziale Medien werden ernstgenommen
    Die direkte Kommunikation mit den Unterstützern ist die Schlüsselkompetenz und wird immer mehr als solche erkannt. Organisationen, die Verantwortlichkeiten für das Community-Management schaffen und ihre Social Media Präsenz(en) in ihre Kernaktivitäten integrieren, werden dem gerecht. Unterstützer wollen informiert und beteiligt werden und aus der „Crowd“ können neue Impulse oder Lösungen hervorgehen. Ziel der Kommunikation sollte dabei immer sein, Vertrauen und Bindung aufzubauen.
  3.  Insbesondere kleine Organisationen setzen auf Vertrauen
    Während große Organisationen auf Ihre Bekanntheit und Reichweite setzen können, kommt es für kleine Organisationen immer mehr darauf an, Vertrauen und langfristige Beziehungen mit Ihren Unterstützern aufzubauen. Sowohl on- als auch offline investieren Organisationen in vertrauensbildende Maßnahmen und schaffen Identifikationsangebote. So werden aus Spendern echte Unterstützer und Botschafter.
  4. Unterstützer werden zu Botschaftern, Fundraisern und Organisatoren
    Das Potential von Unterstützern, die hinter einer Organisation stehen, ist enorm. Immer mehr Organisationen erkennen und nutzen es. Enthusiasmus ist ansteckend und die Verbreitung über persönliche Empfehlungen hat eine hohe Relevanz. Unterstützer, die selbst aktiv werden, lokale Events und Aktionen organisieren oder sich daran beteiligen, sind unbezahlbar. Was sie benötigen sind Informationen, Unterstützung und Vertrauen – und Kampagnen, die sie zum Aktivwerden einladen und motivieren. 
  5.  Unternehmerische Ansätze gewinnen an Bedeutung
    Neben den Dauertrends Monitoring und Erfolgsmessung von Kampagnen und Organisationsarbeit spielen Social Businesses und Social Entrepreneurship eine immer größere Rolle. Wesentliche Elemente sind Abkehr von klassischen Non-Profit Strukturen hin zu finanzieller Tragfähigkeit und Unabhängigkeit. Im Mittelpunkt stehen die gesellschaftlichen Herausforderungen, Gewinnerzielungsabsichten spielen keine Rolle. Mit enorm gibt es seit 2010 das erste Magazin, dass sich diesem Thema annimmt und mit startnext.de ist die erste Crowdfundingplattform in Deutschland gestartet. Einzelne Projekte innerhalb der Organisationsarbeit können darüber finanziert werden oder Anschubfinanzierung erhalten.  

Zusammenfassend kann gesagt werden: erfolgreiches Fundraising 2011 ist persönlich, digital und integrativ. Für mehr Informationen zu Online-Fundraising, Social Media, Social Business und Social Entrepreneurship, nehmen Sie bitte Kontakt auf.